PROGRESS GROUP

Neue Umlaufanlage für die Betonfertigteil-produktion bei Wöhrl

Das bayerische Familienunternehmen Wöhrl hat seine Betonfertigteilproduktion mit einer vollautomatisierten Palettenumlaufanlage erweitert. Gemeinsam mit Progress Group und Prilhofer Consulting entstand eine neue Fertigungslösung, die Umlauftechnik, Bewehrungsproduktion und digitale Planungssoftware verbindet. Produziert werden vor allem Elementdecken und Doppelwände; weitere Fertigteiltypen sollen folgen.

Was als bäuerliche Ziegelei im 19. Jahrhundert begann, ist heute ein moderner Fertigteilbetrieb in fünfter Generation. Das bayerische Familienunternehmen Wöhrl hat jüngst eine vollautomatisierte Umlaufanlage für Betonfertigteile in Betrieb genommen und somit auch für die nächsten Generationen zukunftsweisend investiert. Steigende Kundennachfrage, wachsender Fachkräftemangel und eine 30 Jahre alte Anlage machten die Investition unausweichlich. Gemeinsam mit dem langjährigen Technologiepartner Progress Group und dem Planungsbüro Prilhofer Consulting entstand eine Lösung, die Umlauftechnik, Bewehrungsproduktion und digitale Planungssoftware unter einem Dach vereint.

160 Jahre Tradition – und der Mut für Neues

Die Geschichte des Unternehmens reicht bis in die 1860er Jahre zurück. Was als Gutshof begann,
entwickelte sich über Jahrzehnte zu einer regionalen Ziegelei, bei der zunächst alles in Handarbeit gefertigt wurde – vom Lehmabbau bis zum Setzen der gebrannten Steine. Erst in den 1920er Jahren hielten erste Maschinen Einzug, bevor der Zweite Weltkrieg den Betrieb zum Erliegen brachte. 1948 startete der Vater des heutigen Geschäftsführers Thomas Wöhrl mit 19 Jahren den Wiederaufbau, trieb die Mechanisierung voran und ließ Mitte der 1960er Jahre den ersten Tunnelofen bauen. Parallel dazu wagte er den Einstieg in die Betondeckenproduktion, und das zu einer Zeit, als viele Ziegeleien noch ausschließlich auf ihr Kernprodukt setzten. Dieser Mut zur Diversifikation sollte sich als weitsichtig erweisen und legte das Fundament für den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens.

Wachsende Nachfrage, enge Verhältnisse

Über die Jahrzehnte wuchs das Produktportfolio stetig: Planziegeltechnik, verfüllte Ziegel mit Steinwolle und Holzfaser, zunehmende Automatisierung in der Betondeckenfertigung. Doch der Platzmangel wurde zur echten Wachstumsbremse. Ziegellager und Deckenlager konkurrierten um jeden Quadratmeter, Produkte wie die Doppelwand ließen sich räumlich nicht realisieren. Gleichzeitig stieg die Nachfrage seitens der Bauunternehmer spürbar, vor allem nach Fertigteilen, die auf der Baustelle Zeit und Personal sparen. Was Wöhrl nicht liefern konnte, musste zugekauft werden.

Vor rund sechs Jahren begann der Inhaber und Geschäftsführer Thomas Wöhrl gemeinsam mit dem Planungspartner Prilhofer Consulting und der Progress Group konkret zu diskutieren, wie eine neue, zukunftsfähige Anlage aussehen könnte. 2020 sollte die Umsetzung starten – doch ein langer Genehmigungsprozess verzögerte den Baubeginn um mehrere Jahre. Als dann auch noch Materialpreise infolge des Ukraine-Kriegs explodierten und ein Hochwasser die fertige Halleninfrastruktur beschädigte, wurde aus dem Projekt eine echte Belastungsprobe. Erst 2025 konnte in der neuen Halle erstmals produziert werden.

Die Beweggründe: Markt, Mangel und Modernisierung

Drei Faktoren machten die Investition in die neue Produktionslinie laut dem Geschäftsführer unausweichlich: erstens die gestiegene Kundennachfrage, insbesondere nach Fertigteilen für den mehrstöckigen Wohnbau, der in urbanen Räumen wie München, Ingolstadt, Landshut oder Regensburg zunehmend den klassischen Ein- und Zweifamilienhausbau ablöst. Zweitens der dramatische Rückgang an Fachkräften, denn wer als Fertigteilhersteller wettbewerbsfähig bleiben will, muss den Personalbedarf durch Automatisierung reduzieren. Drittens war die bestehende Anlage nach rund 30 Jahren schlicht am Ende ihres wirtschaftlichen Lebenszyklus. Eine Modernisierung wäre ohnehin nötig geworden – also entschied man sich gleich für einen kompletten Neustart mit erweiterter Produktpalette und der Möglichkeit, diese auch in der Zukunft noch zu erweitern.

Die neue Anlage: Vollautomatisiert und zukunftsweisend

Das Herzstück der Modernisierung ist eine vollautomatisierte Palettenumlaufanlage, die ein großes Spektrum moderner Betonfertigteile abbilden kann. Aktuell produziert das Unternehmen vorwiegend Elementdecken sowie Doppelwände als neues Leitprodukt. Thermowände und Massivwände sind bereits in der Planung und sollen noch 2026 in den Regelbetrieb aufgenommen werden. Ergänzt wird das Portfolio durch die bewehrte Ziegeleinhängedecke – ein Nischenprodukt, das besonders bei Sanierungen gefragt ist.

Die Produktion läuft jetzt vollautomatisiert auf zwei Ebenen und ist mit einigen technischen Besonderheiten versehen. Auf der oberen Ebene arbeitet die Mattenschweißanlage M-System BlueMesh direkt vom Coil und kann die Quereisen sowohl von oben als auch von unten mit den Längseisen verschweißen. Für die Bewehrungsautomatisierung wurde eine flexible Gitterträgerschweißanlage Versa installiert, deren Vorgängerversion bereits im alten Werk sehr gut genutzt wurde. „Ein bisschen getunt ist die neue Versa“, so Wöhrl schmunzelnd, und bezieht sich auf die breitere Gitterträgerpalette, die sie produzieren kann – immer mit dem Höhenwechsel bei laufender Produktion.

Eine weitere Besonderheit ist der vollautomatische Betonverteiler eCon Drive. Die Maschine spart Material und Zeit durch die genauen Produktionsdaten, die über die Software der Progress Group an die Maschine weitergeleitet werden. Die komplette Umlauftechnik im Werk umfasst einen Form Master Schalungs-, Entschal- und Lagerroboter, einen Palettenreiniger, eine Verdichtungseinrichtung mit zwei Schüttelrahmen, eine Wendeeinrichtung für Doppelwände, ein automatisiertes Lagersystem sowie entsprechende Transport- und Logistikeinrichtungen.

Jahrzehntelange Partnerschaft mit Progress: Mehr als ein Lieferant

Die Zusammenarbeit mit Progress Group reicht bis in die frühen 1990er Jahre zurück. Damals ließ der Vater des heutigen Geschäftsführers die erste Richt- und Schneideanlage zur Bewehrungsproduktion installieren – eine der ersten im süddeutschen Raum. Seitdem hat sich die Partnerschaft kontinuierlich weiterentwickelt: von Standardmaschinen hin zu maßgeschneiderten Sonderlösungen, die gemeinsam entwickelt werden. Im Zuge der jüngsten Erweiterung hat Wöhrl konsequent auf Progress Group als Komplettanbieter gesetzt. Nicht nur für die Umlauftechnik, sondern auch für die IT-Infrastruktur.

So wurde parallel zur Anlagentechnik das gesamte Planungs- und Produktionsleitsystem erneuert. Auch hier fiel die Wahl auf Software aus dem Hause Progress. Wöhrl setzt seit 2018 auf Erpbos, die branchenspezifische ERP-Software, die alle Geschäftsprozesse vom Vertrieb über die Planung bis zur Abrechnung abdeckt und zentral steuert. Seit 2025 nutzt Wöhrl auch Ebosyc: Die State-of-the-Art-Softwarelösung für die Umlaufsteuerung. Mit 3D-Visualisierung ermöglicht der integrierte GPA (Graphical Performance Analyzer) eine Echtzeitüberwachung des Produktionsstatus sowie nachträgliche Analysen. Hinzu kommt, dass Wöhrl auf Autodesk Revit mit dem von Progress inhouse entwickelten Plug-in BIMpro wechselte.

Progress begleitet Wöhrl dabei, Autodesk Revit für die Betonfertigteilplanung einzuführen und die Daten für die Doppelwandproduktion zu erstellen. Mit BIMpro für Revit werden die Daten für die Doppelwandproduktion erstellt und vor dem Export automatisch geprüft – anhand von statischen Richtlinien und Maschinenlimitierungen. Derzeit wird das Plug-in auch für die Deckenproduktion eingeführt, um zukünftig auch die Daten dafür zu generieren und vollumfänglich auf Revit umzusteigen.

Die Entscheidung für Progress Group als Gesamtlieferant hatte Wöhrl aufgrund regionaler Alternativen gut abgewogen.

Die langjährige und eingespielte Zusammenarbeit auf allen Ebenen, von der Projektentwicklung über die Montage bis hin zum laufenden Betrieb, gab für Wöhrl schlussendlich den Ausschlag, sich für die Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Brixen/Südtirol zu entscheiden. „Die Mentalität passt und man arbeitet mit vertrauten Leuten zusammen. Das macht einen großen Unterschied“, meint Thomas Wöhrl zur Zusammenarbeit.

Zukunft durch Automation

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten läuft die Produktion mittlerweile stabil. Der Betrieb in zwei Schichten ist möglich, die Auftragslage zieht spürbar an. Für 2026 peilt das Unternehmen eine betonierte Fläche von 250.000 m² an – bei anziehender Konjunktur könnte in den Folgejahren auch eine Steigerung der Produktion realisiert werden. Mit einem breiten Produktportfolio aus Elementdecken, Doppelwänden, Thermowänden und Ziegelprodukten sowie einem zentralen Standort in Bayern sieht sich Wöhrl gut aufgestellt, um künftig auch größere Bauträger und Investoren im Umkreis von bis zu 100 km zu bedienen. Die Botschaft von Thomas Wöhrl ist klar: „Das Unternehmen ist und bleibt zukunftsfähig durch Automation.“

CONTACT

Wöhrl Ziegelwerke-Deckensysteme GmbH

Berghaselbach 5

85395 Wolfersdorf/Germany

www.woehrl-ziegel.de/produkte/beton/


Ebawe Anlagentechnik GmbH

Dübener Landstr. 58

04838 Eilenburg/Germany

www.ebawe.de


Progress Maschinen & Automation AG

Julius-Durst-Straße 100

39042 Brixen/Italy

www.progress-m.com


Progress Software Development GmbH

Julius-Durst-Straße 100

39042 Brixen/Italy

www.progress-psd.com




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