BAU 2027: Klimaschutz und Klimaanpassung im Gebäudebestand
13.10.2026
Figure: Messe München
Gebäude müssen künftig nicht nur weniger Treibhausgasemissionen verursachen, sondern auch unter veränderten klimatischen Bedingungen funktionieren. Hitzeperioden und Starkregen stellen neue Anforderungen an Gebäude und Quartiere. Wie Klimaschutz und Klimaanpassung bei der Sanierung bestehender Gebäude und der Planung von Neubauten zusammengeführt werden können, ist eines der Leitthemen der BAU 2027, die vom 11. bis 15. Januar 2027 in München stattfindet.
Laut der Prognos-Studie „Klimaangepasstes Bauen“ belaufen sich die notwendigen Investitionen im deutschen Gebäudesektor bis 2035 auf 137 Mrd. € bei einem leichten und auf 237 Mrd. € bei einem starken Klimawandel. Im Szenario eines leichten Klimawandels entfallen 86 % davon auf bestehende Gebäude. Klimaanpassung wird damit vor allem zu einer Aufgabe des Umbauens und Sanierens.
Auch beim Klimaschutz liegt ein wesentlicher Hebel im Bestand: Deutschland verfügt über knapp 20 Mio. Wohngebäude, von denen ein großer Teil mehrere Jahrzehnte alt ist. Nur 7,7 % des heutigen Gebäudebestands wurden zwischen 2010 und 2022 errichtet. Zugleich werden mehr als drei Viertel der Wohngebäude und Wohnungen mit Öl oder Gas beheizt. Energetische Sanierung und die Umstellung auf erneuerbare Wärme müssen daher mit der Anpassung an veränderte klimatische Bedingungen verbunden werden.
Hitze wird zur Entwurfsgröße
Bei der Planung ist die Lufttemperatur nur ein Teil der Betrachtung. Stadtgeometrie, solare Einstrahlung, Verschattung, Wind und Oberflächen prägen das Mikroklima. Dadurch können bereits innerhalb kurzer Distanzen unterschiedliche Belastungssituationen entstehen. Besonders betroffen sind stark versiegelte Verkehrsflächen und Orte ohne ausreichende Verschattung.
„Was die Wettervorhersage sagt, hat erst einmal nichts mit der Bebauung zu tun. Was tatsächlich im Straßenraum passiert, hängt sehr stark von der Geometrie der Stadt ab, von der Verschattung, vom Wind und von den Materialien“, erklärt Prof. Dr. Daniele Santucci, Professor für Gebäudesysteme an der RWTH Aachen.
Damit gewinnt der sommerliche Wärmeschutz weiter an Bedeutung. Verschattung, Speichermasse, natürliche Belüftung und Nachtkühlung beeinflussen, wie stark sich Innenräume aufheizen und welcher technische Kühlbedarf entsteht. Im Neubau können diese Anforderungen bereits bei der Orientierung, Kubatur und Konstruktion berücksichtigt werden. Im Bestand müssen entsprechende Maßnahmen mit den vorhandenen Strukturen in Einklang gebracht werden.
Auf Quartiersebene spielen zudem Bäume, Entsiegelung und Kaltluftleitbahnen eine wichtige Rolle. Gerade in dicht bebauten Gebieten konkurrieren diese Maßnahmen jedoch mit anderen Flächennutzungen. Straßen, Stellplätze, Dächer und Fassaden können deshalb auch für Verschattung, Vegetation oder Wasserrückhalt genutzt werden.
Regenwassermanagement und multifunktionale Flächen
Im Gegensatz zu Flusshochwasser kann Starkregen grundsätzlich überall auftreten. Entscheidend für den Wasserabfluss sind Gelände, Versiegelung, Bebauung und Entwässerung. Besonders gefährdet sind Keller, Tiefgaragen, tieferliegende Zugänge und zunehmend auch Erdgeschosse. Fließwege und Rückhalteräume müssen deshalb über das einzelne Gebäude hinaus betrachtet werden.
Wie sich Flächen mehrfach nutzen lassen, zeigt Kopenhagen. Im Rahmen des „Skybrudsplans“ können Parks und Plätze Regenwasser zurückhalten, während Straßen der gezielten Wasserführung dienen. Außerhalb von Starkregenereignissen bleiben dieselben Flächen als Grün-, Sport- und Aufenthaltsräume nutzbar.
Auch Dächer übernehmen zunehmend mehrere Funktionen. Photovoltaik, Gebäudetechnik, Begrünung und Regenwasserrückhalt müssen dabei auf begrenztem Raum miteinander kombiniert werden. Werden Tragwerk, Dachaufbau, Abdichtung und Entwässerung frühzeitig aufeinander abgestimmt, können sich diese Funktionen ergänzen. Retentionsdächer halten Niederschlag zurück, während Vegetation einen Teil des Wassers nutzt und durch Verdunstung das Mikroklima beeinflusst.
Klimaanpassung frühzeitig berücksichtigen
Wie gut sich Gebäude und Quartiere an Hitze und Starkregen anpassen lassen, entscheidet sich häufig bereits in den ersten Planungsphasen. Sind Gebäude, Erschließung und Flächenaufteilung weitgehend definiert, werden die Spielräume für Baumstandorte, Retentionsflächen oder schadlose Abflusswege kleiner.
Stadtklimaanalysen, Starkregengefahrenkarten und digitale Modelle können dabei helfen, besonders belastete Bereiche zu identifizieren und geeignete Maßnahmen zu planen. Voraussetzung ist, dass die Ergebnisse frühzeitig in die Planung einfließen.
Damit gewinnt auch die Zusammenarbeit zwischen Architektur, Landschaftsarchitektur, Stadtplanung, Wasserwirtschaft und technischer Fachplanung an Bedeutung. Begrünung und Retention müssen mit Konstruktion, Abdichtung, Gebäudetechnik und Nutzung abgestimmt werden.
Investitionsbedarf für Klimaanpassung steigt
Die Anpassung des Gebäudebestands stellt neben den planerischen und technischen Herausforderungen auch einen Wirtschaftsfaktor dar. Laut Prognos beläuft sich der jährliche Investitionsbedarf bis 2035 je nach Klimaszenario auf rund 12,5 bis 21,5 Mrd. €. Für die Umsetzung der untersuchten Maßnahmen werden zusätzlich rund 7.700 bis 15.300 Vollzeitkräfte benötigt, insbesondere für den Schutz vor Hitze und Starkregen.
Auf der BAU 2027 präsentieren Hersteller und Planer konstruktive und technische Lösungen für diese Aufgaben. Das Spektrum reicht von Gebäudehüllen, Sonnenschutz und Gebäudetechnik über Dach- und Fassadensysteme bis hin zu Regenwassermanagement und digitalen Planungswerkzeugen.
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