Interview: Digitale Kommunikation braucht neue Formate in der Bau- und Betonbranche
Digitale Kommunikation, neue Vertriebswege und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz verändern auch die Beton- und Baubranche grundlegend. Mit dem TalkConcrete | Digital Hub, der am 11. und 12. März 2026 erstmals im Rahmen der BetonTage in Ulm stattfindet, entsteht eine neue Plattform, die Marketing-, PR- und Vertriebsverantwortliche gezielt in den Fokus rückt. Im Gespräch mit der BFT international erläutert Denny Bakirtzis, Co-Geschäftsführer der Branchenagentur TalkConcrete und Programmverantwortlicher des Digital Hub, welche Ziele das neue Format verfolgt, welche inhaltlichen Schwerpunkte gesetzt werden und warum der Hub bewusst baustoffunabhängig konzipiert ist.
BFT international: Herr Bakirtzis, Sie haben mit dem TalkConcrete | Digital Hub ein neues Veranstaltungsformat im Umfeld der BetonTage initiiert. Was war der Auslöser dafür?
Denny Bakirtzis: Wir erleben seit einiger Zeit einen tiefgreifenden Wandel in Marketing, Vertrieb und PR. Digitale Plattformen, neue Contentformate und KI-gestützte Tools verändern unsere Arbeitsweisen und Erwartungshaltungen massiv. Gleichzeitig fehlt bislang ein Ort, an dem diese Themen strukturiert, praxisnah und spezifisch für die Beton- und auch für die erweiterte Baubranche diskutiert werden. Diesen Ort gibt es jetzt.
BFT international: Worin unterscheidet sich der Digital Hub von klassischen Fachkongressen?
Bakirtzis: Zum einen ist der TalkConcrete | Digital Hub dialog- und anwendungsorientiert. Was die Arbeit mit KI-Tools im Marketing angeht, setzen wir auf Step-by-Step-Breakouts, also Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Nachmachen im Büroalltag.
Interaktive How-to-Workshops zeigen in „Hands-on“-Manier, wie man z. B. ein eigenes Podcastformat aufsetzt. Was strategische Inhalte angeht, lassen wir diejenigen sprechen, die Best Practices aus dem Marketinghandwerk vorzeigen können und selbst bereits Markenbotschafter in digitalen Netzwerken sind.
Zum anderen ist man beim Digital Hub offline online. Denn der Hub wird moderiert von Podcaster:innen, Netzwerker:innen und Influencer:innen aus der Baubranche. In Ulm kommen sie mit den Marketingprofis aus der Beton- und Bau-Bubble zusammen. Wenn man seither z. B. die Gesichter von Kommunikator:innen nur über LinkedIn kannte, kann man sie nun persönlich sprechen und sich gleich bei einem Kaffee vor Ort vernetzen.
BFT international: Können Sie einen Einblick in die inhaltliche Struktur des Programms geben?
Bakirtzis: Das Programm ist modular aufgebaut. Die KI-Breakouts und die Workshops habe ich bereits erwähnt. Wir beleuchten unter anderem digitale Vertriebsstrategien, LinkedIn-Kommunikation, strategisches Storytelling und Leadership im Marketing. Es geht begleitend immer darum, wie das leitende Management, aber auch Mitarbeitende, zu Markenbotschafter:innen des eigenen Produkts bzw. der eigenen Dienstleistung werden können. Ergänzend kommen am Donnerstag Sessions zum Thema KI in Architektur & Planung und neue digitale Lösungen für die Beton- und Baubranche hinzu. Außerdem erhalten Start-ups einen viel präsenteren Auftritt als seither. Wir arbeiten hier mit den Groundbreakers aus Stuttgart zusammen und werden einige smarte Pitches mit neuen Ideen für die Branche haben.
BFT international: Welche Zielgruppen sprechen Sie mit diesem Programm an?
Bakirtzis: Der Digital Hub richtet sich an Marketing-, PR- und Vertriebsverantwortliche aus Unternehmen der Hersteller- und der Zulieferindustrie, an Verbände, an Agenturen, Start-ups, die Baufachpresse sowie an Planungs-, Ingenieur- und Architekturbüros und Hochschulen. Entscheidend ist nicht das Produkt oder die Dienstleistung, sondern die kommunikative Aufgabe.
BFT international: Bedeutet das, dass der Digital Hub bewusst baustoffunabhängig angelegt ist?
Bakirtzis: Klar, digitale Kommunikation, KI, Storytelling oder Markenführung in erklärungsbedürftigen Märkten betreffen ja nicht nur die Betonbranche. Natürlich hat der Baustoff kommunikativ eine riesige Aufgabe. Aber genauso, wie der Betonfertigteilsektor seinen Baustoff und seine Bauweise erklären muss, gibt es diese oder ähnliche Herausforderungen mindestens auch bei allen weiteren mineralischen Baustoffen. Das Event aus rein ideologischen Gründen zu meiden, würde nur bedeuten, auf eine super Gelegenheit zum „digitalen“ Netzwerken zu verzichten. Die BetonTage bündeln seit Jahrzehnten die gesamte Wertschöpfungskette – von Forschung und Entwicklung über Produktion bis hin zur Zulieferindustrie. Diese Dichte an Know-how, Entscheider:innen und Innovationen ist außergewöhnlich. Wer hier vorbeischaut, trifft auf ein hochrelevantes Netzwerk, das weit über die Betonbranche hinaus Strahlkraft besitzt. Wir nutzen den Rahmen der BetonTage als starke Plattform, das Format öffnet sich inhaltlich aber bewusst für andere Sektoren.
BFT international: Traditionell sind dennoch viele Marketing- und Kommunikationsverantwortliche aus Betonfertigteilwerken und der Zulieferindustrie auf den BetonTagen vertreten. Welche Mehrwerte bietet ihnen der Digital Hub konkret?
Bakirtzis: Gerade diese Zielgruppe steht vor der Herausforderung, komplexe technische Leistungen verständlich, sichtbar und differenzierend zu kommunizieren. Im Digital Hub erhalten sie praxisnahe Impulse. Wir haben aufgrund des Rahmens der BetonTage natürlich auch ganz bewusst Präsentationen von relevanten Influencer:innen aus dem Betonfertigteilbereich. Der Link und die inhaltliche Verbindung sind absolut gegeben. Damit ergänzt der Hub das technische Fachprogramm der BetonTage um genau die Kompetenzen, die im Markt zunehmend erfolgsentscheidend sind. Für uns bei TalkConcrete sind diese Kompetenzen übrigens gar keine sogenannten „Soft Skills“ mehr: Wer in der heutigen Aufmerksamkeitsökonomie und bei immer geringeren Aufmerksamkeitsspannen in digitalen Netzwerken nur unzulänglich kommuniziert, wird es mit der Präsenz bald schon schwer haben. Hier wollen wir mit der Plattform eine Möglichkeit zum Austausch und zur Inspiration bieten.
BFT international: Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz im Programm?
Bakirtzis: Eine sehr zentrale. KI verändert zahlreiche Prozesse in der Baubranche. Mit Partnern wie der KI-Allianz Baden-Württemberg, die auch vor Ort sein werden, binden wir Innovationsnetzwerke aktiv ein und fördern den Austausch zwischen etablierten Unternehmen und jungen Akteuren. Wir zeigen mit unserem Partner KIschulungen.com konkrete Anwendungen im Marketing und in der Kommunikation und vermitteln realistische Einsatzszenarien – jenseits von Hype, aber mit klarem Zukunftsblick. Zudem zeigen wir neue KI-gestützte Lösungen für die Beton- und Baubranche.
BFT international: Was nehmen die Teilnehmenden idealerweise aus Ulm mit?
Bakirtzis: Konkrete Handlungsempfehlungen, neue Perspektiven und Impulse sowie wertvolle Kontakte. Unser Anspruch ist, Orientierung zu geben und Menschen zu befähigen, ihre Kommunikation nachhaltig weiterzuentwickeln.
BFT international: Ihr persönlicher Wunsch für den TalkConcrete | Digital Hub?
Bakirtzis: Dass er sich als feste Plattform etabliert, auf der sich Kommunikator:innen aus Industrie, Forschung und Praxis jährlich austauschen und gemeinsam die Kommunikation der Branche auf das nächste Level bringen. Vielleicht schaffen wir es ja auch, dass bald jedes Fertigteilwerk einen eigenen Corporate Influencer oder eine eigene Corporate Influencerin hat. Die laden wir dann alle in unseren TalkConcrete-Podcast ein.
BFT international: Denny Bakirtzis, vielen Dank für das Gespräch. Und bis bald in Ulm!
Interview: Karla Knitter,
Deputy Editor-in-Chief BFT International
Stellvertretende Chefredakteurin der BFT
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