Nord‑West‑Umfahrung Meran, Küchelbergtunnel und Kavernengarage: Präzise Betonlogistik für den Tunnelbau
26.01.2026
Figure: Konsortium San Benedetto – Merano Scarl
Die Nord-West-Umfahrung Meran mit dem Küchelbergtunnel und der Kavernengarage zählt zu den bedeutendsten Infrastrukturprojekten Südtirols. Ziel des rund sechs Jahre dauernden Großprojekts ist die Entlastung des innerstädtischen Verkehrs, die Verbesserung der regionalen Erreichbarkeit und die Steigerung der Lebensqualität in Meran. Mit einer Gesamtlänge von 2.210 m, einem Tunnelinnendurchmesser zwischen 12 und 16 m sowie einer nahezu paritätischen Verteilung von Lockermaterial (ca. 1.070 m) und Fels (ca. 985 m) stellt dieses Tunnelbauprojekt sowohl aus infrastruktureller als auch aus technischer Sicht eine herausragende Maßnahme dar.
Das zweite Baulos der Umfahrung knüpft an den bereits 2013 fertiggestellten ersten Abschnitt an und führt den Tunnel vom Meraner Bahnhof weiter unter der Goethestraße und dem Zenoberg bis zur Handwerkerzone von Tirol. Dort entsteht ein neuer Kreisverkehr mit Anbindungen nach Passeier, Dorf Tirol und Obermais. Damit der Verkehrsfluss in diesem Bereich während der Bauphase nicht beeinträchtigt wurde, entschied man sich für das anspruchsvolle Jet-Grouting-Verfahren, das auf einem 1 km langen unterirdischen Abschnitt angewandt wurde. Zur Stabilisierung der Ortsbrust wurde vorauseilend ein Zementschirm injiziert. So konnten Fels und Lockergestein nach und nach unterirdisch per Bagger oder Sprengung abgebaut werden. Das Jet-Grouting im Lockergestein schritt teilweise nur langsam voran. Allein die Untertunnelung der Goethestraße dauerte fast drei Jahre.
Ein Projekt der Superlative
Nach Ausschreibung im Dezember 2016 wurden die Bauarbeiten formell im Oktober 2020 übergeben; die erste Sprengung erfolgte im März 2021, der Durchbruch am 17. April 2025. Von November 2020 bis September 2025 lieferte Beton Lana den Beton für dieses außergewöhnliche Bauprojekt. Über fünf Jahre wurden rund 500.000 t Tunnelausbruchsmaterial zum Betriebsgelände von Beton Lana transportiert, dort aufbereitet und im 24-h-Schichtbetrieb wieder zur Baustelle geliefert. Insgesamt wurden bislang 200.000 m³ Beton geliefert.
Die komplexe Geologie und die innerstädtische Lage brachten ein Bündel technischer, logistischer und umweltbezogener Herausforderungen mit sich. Planerisch und operativ anspruchsvoll war vor allem die Schnittstelle zur bestehenden städtischen Infrastruktur. So mussten ein neuer Kreisverkehr inklusive Brückenerneuerung über die Passer eingebunden und eine direkte Anbindung an eine geplante Kavernengarage im Stadtzentrum geschaffen werden. Weitere Herausforderungen für Beton Lana bestanden darin, große Mengen Spritzbeton und Rohmaterial zu verarbeiten, strikte Qualitätsanforderungen einzuhalten und gleichzeitig die Logistik so zu planen, dass Verkehr, Lärm und Emissionen in der sensiblen Stadtumgebung möglichst gering blieben.
Nachhaltigkeit dank innovativer Kreislaufwirtschaft
Besonders ressourcenschonend war das Projekt, weil ein Großteil des beim Tunnelbau gewonnenen Ausbruchsmaterials zu Betonzuschlag verarbeitet und wieder im Tunnel verbaut werden konnte. Herausfordernd war jedoch, dass Ausbruch und Betonbedarf zeitlich meist nicht zusammenfielen. Menge und Bedarf mussten daher täglich neu abgeschätzt und koordiniert werden – eine logistische Meisterleistung von Beton Lana und des Konsortiums San Benedetto – Merano SCARL, dem die Unternehmen Carron Bau, Mair Josef & Co. und P.A.C. angehören. Hinzu kamen hohe Anforderungen an die Qualitätsüberwachung. Das sehr heterogene Ausbruchsmaterial musste im Werk von Beton Lana gereinigt und so aufbereitet werden, dass während der gesamten Bauphase Beton in gleichbleibend hoher Qualität geliefert werden konnte.
Effiziente Logistik und Rohstoffmanagement überzeugen Bauherrenschaft
Beton Lana erwies sich in diesem technisch anspruchsvollen Projekt als zentraler Partner und trug mit einem umfassenden Leistungspaket zur erfolgreichen Umsetzung des Küchelbergtunnels und der Nord-West-Umfahrung Meran bei. Entscheidend war zunächst die strategische Abstimmung mit dem Auftraggeber. „Unser ursprünglicher Plan war, für die Versorgung ein temporäres Betonwerk auf der Baustelle zu errichten. Mit ihrem außergewöhnlichen Logistikkonzept überzeugte uns Beton Lana davon, uns aus dem bestehenden Werk in Lana zu beliefern“, sagt Christian Lechner vom Konsortium San Benedetto – Merano SCARL. „Wir haben die logistische Verantwortung für den Betonbedarf sowie für die Materialqualität an Beton Lana übertragen und sind sehr zufrieden mit dieser Entscheidung.“
Mengen und Logistik
Zwischen November 2020 und September 2025 lieferte Beton Lana insgesamt rund 200.000 m³ Beton, davon etwa 70.000 m³ Spritzbeton. Rund 20.000 m³ davon wurden für die Kavernengarage eingesetzt. Diese Liefermengen entsprachen etwa 20.000 Lkw-Fuhren sowie einer Pumpmenge von über 100.000 m³ – Kennzahlen, die eine hohe logistische Präzision und einen permanent verfügbaren Fuhrpark erforderten. Um auch Nacht- und Wochenendbedarfe abzudecken, richtete Beton Lana einen 24-h-Terminal auf dem Betriebsgelände ein: Rund 25.000 m³ wurden nachts sowie an Sonn- und Feiertagen beladen, sodass das Konsortium San Benedetto – Merano SCARL das Material selbstständig abholen konnte. Diese Organisation reduzierte Wartezeiten, umging Verkehrsspitzen in der Stadt und stellte einen kontinuierlichen Baufortschritt unabhängig von Tageszeiten sicher.
Qualitätssicherung und Labor
Ein weiterer Erfolgsfaktor war das umfassende Qualitätsmanagement. Insgesamt führte Beton Lana sowohl direkt auf der Baustelle als auch im Betonwerk rund 1.500 Laborproben durch. Die kontinuierliche Überwachung von Frisch- und Festbetoneigenschaften, Konsistenz sowie Zusatzstoffdosierung war insbesondere für den Spritzbeton essenziell, da an diesen in Tunnelbauabschnitten mit variablem Baugrund höchste Anforderungen an Haftung, Schichtdicke und Festigkeit gestellt werden. Die permanente Abstimmung zwischen Baustelle, Labor und Werk ermöglichte schnelle Rezepturanpassungen – ein entscheidender Faktor für die Effizienz beim Spreng- und offenen Vortrieb.
Rohstoffmanagement und Nachhaltigkeit
Für die Zwischenlagerung großer Mengen an Gesteins- und Erdmaterial mietete Beton Lana zusätzlich zwei Grundstücke an und organisierte dort die Materiallogistik. Auf dem insgesamt 10.000 m² großen Lagerplatz wurde das Aushubmaterial effizient organisiert und verwertet. Am Standort Lana wurden insgesamt ca. 500.000 m³ Aushubmaterial verarbeitet. Diese gezielte Rohstofflogistik reduzierte den Bedarf an externen Materiallieferungen, senkte Transportkosten und Emissionen und leistete einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Materialkreislaufnutzung.
Technische Leistungen beim Spritzbeton
Der Umfang von rund 70.000 m³ Spritzbeton verdeutlicht die zentrale Rolle dieser Technologie im Projekt. Spritzbeton ermöglicht temporäre Standsicherheiten, gewährleistet eine rasche Sicherung nach Sprengungen und ist integraler Bestandteil beim Bau von Fluchtwegen sowie offen ausgeführten Startbaustellen. Beton Lana stellte dabei nicht nur das Material bereit, sondern entwickelte auch die Rezepturen und übernahm die technische Betreuung vor Ort. Dazu gehörte unter anderem die enge Abstimmung mit den Polieren der drei Baustellengruppen im Bereich des Kreisverkehrs Dorf Tirol. So konnte eine reibungslose und sichere Ausführung der erforderlichen Spritzbetonarbeiten gewährleistet werden.
Herausragende Teamarbeit als Schlüssel zum Erfolg
Hinter diesen technischen Leistungen stand eine hohe organisatorische Kompetenz. Der reibungslose Projektablauf erforderte eine enge Verzahnung von Vertrieb, Werksteuerung, Labor, Fuhrparkmanagement, Lagerlogistik und Baustellenbetreuung. Genau diese multidisziplinäre Teamarbeit war der Schlüssel zum Erfolg: Nur durch kontinuierliche Kommunikation, schnelle Reaktionsfähigkeit und klar definierte Verantwortlichkeiten konnten die komplexen Anforderungen an Menge, Qualität und Timing erfüllt werden. Beton Lana zeigt damit, wie ein regional verankerter Lieferant durch technische Kompetenz und gelebte Teamarbeit einen entscheidenden Beitrag zu einem Großprojekt leisten kann – insbesondere unter den hohen Anforderungen einer städtischen Umgebung und bei anspruchsvoller Geologie.
„Wir sind stolz darauf, dass wir durch die Übernahme großer Teile der Betonversorgung maßgeblich dazu beitragen konnten, den Tunnelvortrieb und die damit verbundenen Bauabschnitte termingerecht und in hoher Bauqualität umzusetzen“, sagt Christian Grünfelder, Geschäftsführer von Beton Lana. „Die flexible Rund-um-die-Uhr-Belieferung war eine echte Herausforderung für unser Team, hat uns aber gleichzeitig einen wertvollen Erfahrungsschatz gebracht. Nach diesem Projekt fühlen wir uns für jede logistische Herausforderung gerüstet.“
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