Betonplatten in Terrazzo-Optik: Gestaltungs- und Tragwerkskonzept des Drachenstegs
Beitrag auch als Audio verfügbar!Seit mehr als 500 Jahren zählt der „Drachenstich“ zu den traditionellen Volksschauspielen der oberpfälzischen Stadt Furth im Wald. Die deutsche UNESCO-Kommission hat das Ereignis deshalb in die Bundesliste des „Immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen. Mit dem Bau des „Drachenstegs“– einem Rundgang mit Brücken, abgesteppten Terrassen und großzügigen Freiflächen – wurde zur Landesgartenschau 2025 ein innovatives Bauwerk geschaffen, bei dem Beton eine ganz wesentliche Rolle spielt.
Der Drachensteg verbindet Grünflächen entlang der Kalten Pastritz und der Chamb, schafft neue Aufenthaltsräume am Flussufer und setzt konsequent auf den Werkstoff Beton als Bodenbelag. Dabei unterstützt das Farbkonzept die Narration des Weges als lebendige Brücke zwischen Grünflächen, Fluss und Stadt, zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Skulptural und fast organisch wirkend, macht die Architektur des Drachenstegs aus einer einfachen Wegführung ein urbanes Erlebnis mit regionalem und traditionellem Bezug.
Historischer Bezug in architektonischer Umsetzung
Die Legende vom Drachenkampf, die der Formgebung des Drachenstegs zugrunde liegt, findet sich in jeder Kurve, jedem Bauteil und in jedem Gestaltungselement wieder. Der rund 600 m lange Rundweg windet sich um eine Flussinsel, überspannt die beiden Flüsse und mündet schließlich in die Altstadt. Der Drachensteg ist damit mehr als nur eine Verbindungsachse: Er fungiert als räumliches Zitat, als temporäre Hommage an die Vergangenheit und verbindet Mensch und Natur auf formvollendete Weise mit überlieferten Traditionen.
Beton als Sprache der Moderne
Der zentrale Baustoff ist Beton in einer neuen Tonalität: In einem kräftigen Rot eingefärbte, mit Eisenoxyd pigmentierte Betonplatten der Firma Hemmerlein Ingenieurbau aus Bodenwöhr treffen auf eine geglättete, puristisch-cleane Oberfläche. Die Farbgebung symbolisiert das der Legende nach vergossene Drachenblut – ein Sinnbild für Lebenskraft, Energie und Erneuerung.
Die Platten sind in Terrazzo-Optik gestaltet, während darin integrierte Flusskiesel, die in Furth im Wald traditionell für die Bau- und Gartengestaltung genutzt werden, einen regionalen Bezug herstellen und dem puristischen Material eine natürliche Note verleihen. Die Stufenelemente sind gesäuert. So entsteht eine matte, strukturierte Oberfläche, die Griffigkeit und Antastbarkeit in feiner Abstimmung vereint.
Beton als Gestaltungsträger der Landschaft
Vor der Umsetzung galt es, verschiedene Herausforderungen zu bewältigen. Zum einen forderte die lange, geschwungene Wegführung drei unterschiedliche Gründungskonzepte: Pfahlgründungen unter Brückenfeldern, Brunnenfundamente unter Stegabschnitten und Zahnbalkenfundamente mit Bodenplatten unter der Stufenanlage. Diese Kombination ermöglichte eine statische Abstimmung über das wechselnde Untergrundprofil und unterschiedliche Setzungen. Übergangsfundamente koppeln die Gründungssysteme, so dass Bewegungen harmonisch aufgenommen werden können. Bereits die Planungsphase erforderte eine außerordentliche Präzision in der Vermessung der Geometrien, da Radien und Gefällewechsel die Herstellung und Montage der Fertigteilplatten maßgeblich beeinflussten.
Modulare Planung, vielseitige Nutzung
Der Drachensteg ist bewusst als Rundweg konzipiert: Brücken, stufenförmige Terrassen und eine Flussinsel bieten dabei ein vielfältiges Angebot an Aufenthaltsmöglichkeiten. Die Geländerformung aus sichelförmigen Stahllamellen in Rot kontrastiert in puncto Materialität mit der Betonoberfläche und schafft einen dynamischen, organischen Rahmen. Das Obergurtprofil dient zugleich als komfortable Armlehne – ausgelegt zum Verweilen, während man den Blick über die Landschaft schweifen lässt.
Begehbarkeit für alle
Vom Auftakt an der großzügigen Ufer-Treppenanlage am Tagungszentrum bis hin zu den flachen Stufen, die ans Wasser reichen, integriert der Drachensteg Barrierefreiheit in das Gesamtkonzept. Zwei Rampen ergänzen die Treppe, so dass unterschiedliche Nutzergruppen den Wasserblick gleichermaßen genießen können. Die gewählten Materialien gewährleisten bei Regen und Eis Rutschhemmung und bei Sonneneinstrahlung keine zu hohe Erhitzung.
Der Rundweg mit Brücken und Terrassen schafft neue Aufenthaltsräume am Flussufer, ermöglicht Blickbezüge in die Natur und zur Altstadt. Die skulpturale, ebenfalls in Rot gehaltene Geländergestaltung, geformt aus sichelförmigen Stahllamellen – als Hommage an die vermeintlich harte, schuppenförmige Drachenhaut – setzt einen dynamischen Kontrapunkt zur ruhigen Wasserlandschaft und macht die Konstruktion zur identitätsstiftenden Landmarke der Landesgartenschau 2025.
Darüber hinaus zeigt der Drachensteg, wie der Baustoff Beton sinnbildlich als Bindeglied zwischen Natur und Stadt fungieren kann. Die Materialkombination mit Flusskieseln verbindet Ästhetik und regionale Identität: Ihre Struktur erinnert an natürliche Korngrößen, während die Farbgebung eine zeitgenössische, architektonische Sprache spricht. Die Terrazzo-Optik sorgt zudem für eine robuste Oberflächenqualität, die dem hohen Belastungsgrad des Rundwegs standhält.
Beton Bauteile 2026
Der Projektbericht ist auch in „Beton Bauteile 2026“ zu lesen. Das Jahrbuch ist das inspirierende Nachschlagewerk zu außergewöhnlichen Projekten, Ästhetik und Ingenieurskunst mit Fertigteilen aus Beton. Zahlreiche Beiträge in den Kapiteln Architektur, Ingenieurbau, Infrastruktur und GaLa-Bau zeigen die universelle Verwendbarkeit der Produkte sowie Innovationen und Trend.
Sie erhalten Ihr Exemplar online im Bauverlag-Shop und über diesen Link: www.beton-bauteile.de.
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Hemmerlein Ingenieurbau GmbH
Industriestraße 2,
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Bautafel
Betonplatten: Hemmerlein Ingenieurbau, Bodenwöhr
Geländer: H&S, Huglfing
Gesamtkonzept: Planorama Landschaftsarchitektur, Berlin
