TH KÖLN

Beton aus der Asche

Wenn Hausmüllverbrennungsasche auf CO2 trifft, könnte ein neuer Rohstoff für die Baubranche entstehen. Ein interdisziplinäres Konsortium unter Beteiligung der TH Köln untersucht daher ein neues Verfahren, um Kohlendioxid dauerhaft zu binden. Das Endprodukt soll als Ersatzbaustoff im Straßenbau oder in der Betonherstellung verwendet werden.

Jedes Jahr fallen in Deutschland rund sechs Millionen Tonnen Rostasche aus der Verbrennung von Siedlungsabfällen an. Diese werden in spezialisierten Aufbereitungsanlagen behandelt, um Metalle zurückzugewinnen und durch gezielte Sieb- und Sortierschritte zu einer gereinigten Fertigasche zu verarbeiten. „Die darin enthaltenen mineralischen Anteile sind in der Lage, CO2 aufzunehmen und dauerhaft zu binden – die sogenannte Karbonatisierung. Wir möchten in unserem Projekt ein praxisnahes Karbonatisierungsverfahren entwickeln und prüfen, ob sich unser Endprodukt zum Einsatz im Straßenbau oder bei der Betonherstellung eignet“, erläutert Prof. Dr. Björn Siebert vom Institut für Baustoffe, Geotechnik, Verkehr und Wasser der TH Köln.

Verschiedene Ansätze in der Versuchsanlage

Dazu soll eine technische Versuchsanlage entstehen, die von den beiden wissenschaftlichen Projektpartnern TH Köln und RWTH Aachen am Entsorgungszentrum Leppe aufgebaut wird. Dieses wird vom Konsortialführer, dem Bergischen Abfallwirtschaftsverband (BAV), in der Nähe von Lindlar betrieben. Als Industriepartnerin stellt die Refer GmbH das Ausgangsmaterial, aufbereitete Hausmüllverbrennungsaschen aus ihrer Rostascheaufbereitungsanlage, zur Verfügung.

Die zentrale technische Frage lautet, mit welcher Methode das CO2 am effizientesten in der Asche gebunden werden kann. „Wir verfolgen zwei Ansätze, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile haben: Die Nasskarbonatisierung unter Wasser ermöglicht die Aufnahme von mehr Kohlendioxid, benötigt aber Energie für die anschließende Trocknung. Bei der feuchten Karbonatisierung mit wenig Feuchtigkeit bildet sich auf der Oberfläche der Asche eine relativ dichte, karbonisierte Schicht, sodass weniger CO2 gespeichert wird, da es nicht ins Innere eindringen kann“, so Prof. Dr. Axel Wellendorf vom Institut für Allgemeinen Maschinenbau der TH Köln.

Einsatz im Straßenbau oder in der Betonproduktion

Zunächst werden unterschiedliche Karbonatisierungsverfahren  getestte und eine flexible, praxisnahe Versuchsanlage aufgebaut.

Die Forschenden prüfen das Potenzial für die CO2-intensive Betonherstellung. Hier könnte die Asche als Bindemittel wirken. Voraussetzung für diesen Einsatzzweck ist eine definierte, gleichbleibende Materialqualität. Daher werden im Projekt auch Versuche zur weiteren Aufbereitung oder sortenreinen Zerkleinerung durchgeführt. „Wenn es uns gelingt, karbonatisierte Asche zur Verfügung zu stellen, die den entsprechenden Normen und Umweltanforderungen entspricht, wäre dies ein wichtiger Schritt für die Kreislaufwirtschaft und den Klimaschutz“, betont Wellendorf.

Über das Projekt

Das Vorhaben KARMA (Karbonatisierung von Müllverbrennungsaschen) konnte sich im Förderwettbewerb „CCU-Modellregionen NRW“ des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie durchsetzen und erhält bis Mitte 2028 gut eine Million Euro. Unter CCU versteht man Carbon Capture and Utilization, also die Abscheidung und Nutzung von CO₂.

CONTACT

TH Köln

Referat Kommunikation und Marketing

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Claudiusstr. 1

50678 Cologne/Germany

+49 221 8275-3731

www.th-koeln.de

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 06/2022

CO2-Einbindung in Betonrezyklat – ein Meilenstein auf dem Weg zur CO2-Neutralität

HeidelbergCement hat sich verpflichtet, bis 2050 CO2-Neutralität für das gesamte Produktportfolio auf Betonebene zu erreichen. Hierzu wird HeidelbergCement auf allen Ebenen nicht nur an der...

mehr
Ausgabe 09/2024

Erfolgreiche Pflastersteinproduktion mit CO2-reduzierten zirkulären Zementen im industriellen Maßstab

In Deutschland werden bereits 95 % der Bau- und Abbruchabfälle wiederverwertet. Beim Recycling von Betonbruch ist die Qualität der zurückgewonnenen Rohstoffe oft geringer als die der...

mehr
Ausgabe 05/2021 MBCC GROUP

MasterSuna RCA für Betonproduktion aus rezyklierten Gesteinskörnungen

Experten von Master Builders Solutions haben die neue Lösung MasterSuna RCA entwickelt, die nun die Herstellung von Standardbeton mit bis zu 100 % rezyklierter Gesteinskörnung erlaubt. Damit werden...

mehr
Ausgabe 02/2017 Zemente mit geringem Klinkergehalt

Ein Prognosemodell zur Karbonatisierung von Beton

Die Herstellung des Massenbaustoffs Beton ist zum Teil mit signifikanten Umweltwirkungen verbunden, welche hauptsächlich dem im Zement enthaltenen Portlandzementklinker zuzuordnen sind. Aus diesem...

mehr
Ausgabe 06/2024 MULTICON

Fein- und RC-Sande zur Betonherstellung

Aus bisher nicht nutzbaren feinen Sanden nachhaltige Betone herzustellen – dies war der Ansatz von Multicon, eine neue Methode zur Aufbereitung und Verwertung von bisher nicht nutzbaren regionalen...

mehr