DYCKERHOFF

Interview: „Ein Weg zu ökologischeren Architekturbetonen“

Anlässlich der diesjährigen Ulmer BetonTage stellte Dyckerhoff seinen neu entwickelten CO2-reduzierten Zement „Dyckerhoff Weiss BLUE STAR“ vor. Mit ihm gibt es jetzt erstmalig auch einen weißen Puzzolanzement, der einen deutlich verbesserten ökologischen Fußabdruck aufweist (siehe auch BFT 9/2023, S. 56/57). Was sich hinter dieser Innovation verbirgt und welche Ziele Dyckerhoff damit verfolgt, darüber sprach die BFT-Chefredaktion mit Dipl.-Bau-Ing. Dipl.-Wirtsch.-Ing. Martin Möllmann, bei Dyckerhoff verantwortlich für die Bereiche Produktmarketing wie auch für den Vertrieb von Weißzement.

BFT International: Herr Möllmann, der Weißzement hat am gesamten Zementmarkt nur einen relativ kleinen Anteil. Warum haben Sie dennoch einen erheblichen Forschungs- und Entwicklungsaufwand betrieben, um auch bei Weißzement den CO2-Anteil zu senken?

M. Möllmann: Betrachtet man den Gesamtmarkt für Zement, dann ist der Anteil des Weißzements mit rund einem Prozent sicherlich klein in Bezug darauf. Allerdings ist Weißzement für viele Bauaufgaben ein ganz wichtiger Baustoff. Seit den 1930er Jahren, als die Marke Dyckerhoff Weiss entwickelt wurde, ist Weißzement vor allem ein nicht mehr wegzudenkender Architekturbaustoff, etwa im Bereich Sichtbeton. Daher haben wir eine Vielzahl von Kunden, die überwiegend, teilweise ausschließlich mit unseren Weißzementen arbeiten. Dies sind oftmals auch Kunden, die besonders hochwertige Produkte herstellen. Auch diese haben - wie wir als Zementhersteller - eine Verantwortung gegenüber der Umwelt und werden natürlich auch von ihren Kunden gefragt, was sie tun, um ihren CO2-Fußabdruck zu senken.

BFT International: Inwieweit spielen hier auch die politischen Vorgaben eine Rolle?

M. Möllmann: Natürlich orientieren wir uns auch daran. Denn die Dekarbonisierung von Zement und Beton und damit die Reduzierung von deren Treibhauspotential zählt zweifellos mit zu den großen umweltpolitischen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Die Politik hat ihre Forderungen in dieser Hinsicht klar und deutlich formuliert: Deutschland soll bis 2045 klimaneutral sein. Diesem Ziel fühlen wir uns auch bei Dyckerhoff verpflichtet und arbeiten daran, unsere Produktpalette nach und nach in eine „grüne“ Zukunft zu transformieren. Mit Dyckerhoff Eco Comfort und Dyckerhoff Cedur haben wir bereits im vergangenen Jahr zwei CO2-reduzierte Grauzemente auf den Markt gebracht. Und mit Blue Star jetzt auch den ersten CO2-reduzierten Weißzement. Er ergänzt perfekt unsere anwendungsbezogene und für die verschiedenen Einsatzbereiche optimierte Palette an Weißzementen.

BFT International: Wie genau ist es Dyckerhoff gelungen, den Anteil an CO2 beim Weißzement zu reduzieren?

M. Möllmann: Wie bei allen Zementen, so wird auch bei Weißzement der CO2-Fußabdruck durch den Klinkeranteil bestimmt. Will man diesen reduzieren, dann ergeben sich spezielle Anforderungen an die zukünftigen Einsatzstoffe, also jene Stoffe, die den Klinker ersetzen sollen. Dazu zählen neben Hüttensand, Flugasche oder Kalkstein auch die Puzzolane. Und speziell auf diese natürlichen Puzzolane haben wir jetzt bei der Entwicklung von Blue Star den Fokus gerichtet.

BFT International: Warum haben Sie sich für den Einsatz von Puzzolanen entschieden?

M. Möllmann: Unsere Experten beschäftigen sich bereits seit einiger Zeit mit alternativen Einsatzstoffen für die Weißzementproduktion, um so den CO2-Fußabdruck zu verringern. Bei der Suche nach einem geeigneten Klinkerersatz ist uns unsere international bestens vernetzte F&E Organisation zugutegekommen. Zu unseren zentralen Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen zählt neben dem bekannten Wilhelm-Dyckerhoff-Institut (WDI)
in Wiesbaden auch das Buzzi Unicem Innovation Lab. and Technology (BUILT) im italienischen Vercelli. Der enge Austausch zwischen diesen F+E Einrichtungen hat dazu geführt, dass die in Italien quasi traditionell zum Standard gehörenden Puzzolane auch bei uns stärker in den Fokus rückten. Zudem konnten wir, wie Versuche im Vorfeld gezeigt haben, weiße Puzzolane gut in unsere Weißzementherstellung einbetten. Die Herstellung erfolgte in unserem CSC-Gold zertifizierten Zementwerk in Wiesbaden.

BFT International: Zum besseren Verständnis - um was handelt es sich bei natürlichen Puzzolanen eigentlich? Wie und wo sind sie entstanden?

M. Möllmann: Natürliche Puzzolane sind im wesentlichen vulkanischer Herkunft. Der  Name stammt vom italienischen Ort Pozzuoli westlich Neapels, wo bereits im Altertum große Mengen puzzolanischer Vulkanasche gewonnen wurden. Das Bauen mit diesen Stoffen hat daher im Mittelmeerraum eine lange Tradition. Dies beginnt bereits in der Römerzeit und dauert bis heute an.

BFT International: Worin liegen denn nun die Vorteile von natürlichen Puzzolanen?

M. Möllmann: Puzzolane setzen sich aus Kieselsäure, Tonerde, Kalkstein und Alkalien zusammen. Durch das Zusammenwirken der Kieselsäure mit Calciumhydroxid und Wasser kommt es zu einer puzzolanischen Reaktion. Unser Puzzolanzement zeichnet sich unter anderem durch eine hohe Frühfestigkeit, eine bessere Sulfatbeständigkeit sowie eine geringere Ausblühneigung aus. Und dies bei vergleichbarer Dauerhaftigkeit. Damit erfüllen die Puzzolane die von uns formulierten Anforderungen an die zukünftigen Einsatzstoffe bezüglich der Festigkeiten, der Dauerhaftigkeit und natürlich auch der Farbe.

BFT International: Wie sieht es denn mit dem wichtigen Kriterium der Farbe aus?

M. Möllmann: Für uns entscheidend war, dass bei der Produktion des Dyckerhoff Weiss Blue Star nicht nur rund 15% weniger CO2 im Vergleich zu unseren weißen CEM I-Zementen freigesetzt wird. Für uns war es ebenso wichtig, dass wir am Ende die gleiche und vor allem gleichmäßige Farbe vorfinden wie bei unseren anderen Weißzementen; denn dies ist ja gerade der USP von Dyckerhoff Weiss und daher ein wesentliches Kriterium bei der Entwicklung neuer Weißzemente.

BFT International: Seit wann haben Sie den neuen weißen Puzzolanzement Blue Star in ihrem Weiss-Sortiment?

M. Möllmann: Dieser weiße Puzzolanzement wurde Mitte Juni mit der Normbezeichnung CEM IV/A (P) 42,5 R vom VDZ zugelassen und wird seitdem im Werk Amöneburg unter der Bezeichnung „Dyckerhoff Weiss BLUE STAR“ verkauft.

BFT International: Sie haben den Blue Star der Branche erstmals auf den diesjährigen BetonTagen in Ulm vorgestellt. Welche Reaktionen haben Sie dort erlebt?

M. Möllmann: Die Präsentation von Blue Star erfolgte ganz bewusst zu dem von Ihnen genannten Zeitpunkt. Wir wollten, dass es der relevante Markt zu einem Stichtag erfährt. Zudem konnten wir hier das Produkt perfekt „launchen“, denn unsere Experten hatten die Möglichkeit, den neuen Weißzement im persönlichen Gespräch an unserem Ulmer Messestand detailliert zu erläutern. Daneben gab es ein gut besuchtes Informationsforum, bei dem unser Verkaufsleiter Christian Bechtoldt den Blue Star in einem spannenden Vortrag dem Ulmer Fachpublikum präsentierte. Sowohl am Stand auch im Anschluss an den Vortrag konnten wir dabei ein enormes Interesse an dem innovativen Produkt feststellen.

BFT International: Wie geht es weiter? Welche zukünftigen Entwicklungen sind aus dem Hause Dyckerhoff zu erwarten?

M. Möllmann: Wir denken natürlich schon weiter und überlegen uns ständig, was der Markt benötigt. Dabei gehen wir auch der Frage nach, welche zusätzlichen Möglichkeiten zur CO2-Reduzierung es noch gibt. In unseren oben schon genannten, leistungsfähigen Forschungs- und Entwicklungslaboren arbeiten wir dazu bereits an entsprechenden Projekten. Konkrete Ergebnisse erwarten wir schon in der zweiten Jahreshälfte 2024.

BFT International: Herr Möllmann, besten Dank für das Gespräch und viel Erfolg weiterhin!

Interview: Dipl.-Ing. (FH) Silvio Schade, Chefredakteur BFT International

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65203 Wiesbaden/Germany

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www.dyckerhoff.com/blue-star

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