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Ingenieurleistung: Puente Industrial in der Provinz Concepción, Chile

Die neue Brücke über den Río Biobío in der Provinz Concepción, 550 km von Santiago de Chile entfernt, verbindet die Gemeinden Hualpén und San Pedro de la Paz über eine Straße mit einer Gesamtlänge von 6,4 km. Geplant wurde das Projekt als vierspurige Schnellstraße mit zwei Fahrstreifen pro Richtung, die im Norden an die Avenidas Costanera und im Süden an die Ruta 160 anschließt.

Das neue Verkehrsinfrastrukturvorhaben besteht aus einer 7 m breiten Fahrbahn in jede Fahrtrichtung mit 1,5 m breiten äußeren Randstreifen und 1 m breiten inneren Randstreifen sowie aus einem 4 m breiten Mehrzweckweg auf der Nordseite und einem 1 m breiten Korridor auf der Südseite, die auf der einen Seite durch eine Betonleitwand und auf der anderen Seite durch ein Fußgängergeländer von der Fahrbahn getrennt sind.

Bei der Planung der Brücke wurden die neuen Vorgaben zur Erdbebensicherheit berücksichtigt: In jedes Feld wurden zentrale Querträger eingebaut und es kamen erdbebensichere Anker, Auflager und spezielle erdbebensichere Anschlüsse zum Einsatz.

Das Brückenbauwerk weist eine Gesamtlänge von 2,5 Kilometern auf und verbessert sowohl die Verbindung zwischen den Gemeinden auf beiden Seiten des Flusses als auch die logistische Anbindung an die Häfen von Lirquén, Talcahuano, San Vicente und Coronel.

 

Gesamtlänge von 2.500 m

Aus geologischer Sicht verläuft am Nordufer des Río Biobío ein Grundwasserleiter mit einer geschätzten Mächtigkeit von etwa 80 Metern, der aus mit schluffigem Lehm durchsetztem sandigem Material besteht. Die beim Entwurf des Bauwerks berücksichtigte Studie zum Erdbebenrisiko sah den Einsatz erdbebensicherer Bauteile vor, darunter für Auflager (Typ A) und Widerlager (Typ B) geeignete Lagerplatten mit Energiedissipation. Es kamen 24 Gummiplatten mit einer Dicke von 8,5 mm für die Lager des Typs A und 29 Gummiplatten mit einer Dicke von 8,5 mm für die Lager oder seismischen Isolatoren des Typs B zum Einsatz.

Das Brückenbauwerk hat eine Gesamtlänge von 2.500 m mit einem gerade verlaufenden Abschnitt von 2.100 m und einem kurvenförmig verlaufenden Abschnitt von 430 m Länge. Jeder Pfeiler ruht auf vier Gründungspfählen, die je nach Bodenbeschaffenheit einen Durchmesser von 2 m bzw. 2,5 m haben und durchschnittlich 30 m tief in den Flussgrund gerammt wurden.

Zu den Geräten, die für das Einsetzen der Gründungspfähle zum Einsatz kamen, gehörten eine Caterpillar-Ramme AF250, die Pfähle mit einem Durchmesser von bis zu 2,0 m eintreiben kann, sowie eine Liebherr-Ramme LB 36-410 für die Pfähle mit einem Durchmesser von 2,5 m. Für die Montage der Fertigteilträger wurden ein Liebherr-Kran LTM 10503131 mit einer Traglast von 50 Tonnen und ein Demag-Teleskoplader AC-95 eingesetzt.

Seit Baubeginn mussten zahlreiche Herausforderungen bewältigt werden, zu denen unter anderem die Herstellung der Arbeitsböschung im Fluss sowie die Herstellung und der Einbau der doppelten Bewehrungsringe für die Gründungspfähle der Brücke gehörten.

 

56 Felder mit einer Spannweite von jeweils 45 m

Der Überbau besteht aus 56 Feldern mit einer Spannweite von jeweils 45 m. Die Enden der Spannweiten werden von insgesamt 55 Pfeilern gestützt, die jeweils auf vier Gründungspfählen mit einem Durchmesser von 2,5 m ruhen.

Die einzelnen Felder bestehen aus jeweils sieben vorgespannten Trägern mit einer durchschnittlichen Länge von 43 m, einer Höhe von 2,25 m und einem Gewicht von ca. 100 Tonnen, das in den kurvenförmigen Abschnitten variieren kann. Sie weisen getrennte Fahrspuren mit einer Breite von jeweils 3,55 m auf, sodass sich eine Gesamtfahrbahnbreite von 24,8 m ergibt. Die Träger sind auf einer Stahlbetonplatte mit einer Mindestdicke von 20 cm befestigt und nehmen zusammen mit ihr die Eigen- und Verkehrslasten auf.

Der Überbau der Brücke ist so konzipiert, dass er den Durchgang beweglicher Lasten ermöglicht, die anschließend über das Auflagersystem abgeleitet werden, zu dem auch erdbebensichere Neoprenplatten gehören.

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