Ein Sack fällt um

Aus Lafarge und Holcim wird jetzt LafargeHolcim. Vielleicht. Denn die Pressemitteilung, die die beiden Baustoff-Konzerne im April verbreiteten, ist eher eine Absichtserklärung. Entsprechend vorsichtig formuliert ist der Text: „Mit dem Zusammenschluss hätte LafargeHolcim eine stärkere Präsenz in der weltweiten Baustoffindustrie“, „die gemeinsamen Aktivitäten würden Produktionsstandorte in 90 Ländern auf sechs Kontinenten umfassen“, „sie hätten nach dem Zusammenschluss das am meisten ausgeglichene und am stärksten diversifizierte Portfolio“ und so weiter (siehe S. 13). Ziemlich viel „wäre“ und „hätte“ für eine Pressemitteilung. Das mag den scharfen Regeln der Finanzaufsichtsbehörden geschuldet sein, für die Redaktionen ist es dennoch unbefriedigend.

„Und in China ist ein Sack Reis umgefallen“ – mit dieser Redewendung gibt ein Redakteur in Deutschland gern zu erkennen, dass ihn eine Nachricht mit viel „wäre“ und „hätte“ und wenig Fakten wenig interessiert, genauso wenig wie der besagte Sack Reis in China. Wenn ein kleines Unternehmen eine solche Pressemitteilung verschickt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie in Redaktionsablage P verschwindet. Der Text kommt aber von den Top zwei der weltweiten Baustoffhersteller-Charts. Und schon rast der mediale Sturm um den Globus: Die Einen mutmaßen über drohende massive Preissteigerungen für Zement, die Anderen rätseln über den bevorstehenden Rückschlag der Wettbewerber – alles Spekulationen.

Als einziger Fakt bleibt: In der Schweiz ist ein Sack Zement umgefallen, wenn auch ein großer. Sobald sich der mediale Staub gelegt hat, wird zu erkennen sein, ob die Kartellbehörden weltweit grünes Licht gegeben haben und auf dem Sack tatsächlich das Logo des fusionierten Großkonzerns LafargeHolcim prangt.

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