PROGRESS

3D-Betondruck setzt neue Maßstäbe im Fertigteilbau

Die Progress Group aus Brixen (Italien) hat mit ihrem eigens entwickelten SPI-3D-Betondrucker (Selective Paste Intrusion) einen technologischen Durchbruch erzielt. Komplexe Formen, hohe Präzision und eine nachhaltige Ressourcennutzung machen das Verfahren zu einem Meilenstein für die Fertigteilindustrie. Mit dem Ferienresort Pareus im italienischen Caorle entsteht nun das bislang bedeutendste Referenzprojekt, das die Möglichkeiten der Technologie im großindustriellen Maßstab eindrucksvoll veranschaulicht.

 

Neue Dimensionen in Form und Funktion

Der in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung entwickelte SPI-3D-Drucker erweitert die klassische Fertigteilproduktion um ein flexibles Werkzeug für Architekten, Ingenieure und Produzenten. Dank einer Schichtauflösung von nur drei Millimetern entstehen Bauteile mit höchster Detailtreue – von Fassaden über Möbel bis hin zu Sonderfertigteilen. Mit Abmessungen von 5 m Länge, 2,8 m Breite und 1,5 m Höhe ist der Drucker so konzipiert, dass Transport und Weiterverarbeitung effizient bleiben.

 

SPI-Technologie: Schicht für Schicht nach oben

Das Verfahren der Selective Paste Intrusion (SPI) arbeitet ähnlich wie das selektive Laser-Sintern (SLS). Während beim SLS ein Laser das Pulver schmilzt, trägt beim SPI ein Druckkopf einen Zementleim aus Wasser und Zement punktgenau auf ein Sandbett auf. An den vorgesehenen Stellen erhärtet der Zement das Sandgemisch und formt so die gewünschte Geometrie. Nach jeder Schicht wird die Plattform somit abgesenkt und eine neue Sandschicht aufgetragen. Der lose Sand fungiert also während des gesamten Prozesses als Stützkonstruktion. Nach Abschluss des Drucks härtet das Material innerhalb von 24 Stunden aus, und der überschüssige Sand wird abgesaugt und vollständig wiederverwendet.

Symbiose aus Ästhetik und Funktionalität

Mit der SPI-Technologie revolutioniert die Progress Group insbesondere die Fassadengestaltung. Das System vereint die Vorteile des 3D-Drucks mit den bewährten Eigenschaften von Doppelwandsystemen. Die äußere Schicht wird individuell mit dem 3D-Druckverfahren gestaltet, wobei eine hohe architektonische Gestaltungsfreiheit und einzigartige Optik geboten werden. Die nachfolgende Schicht besteht aus standardisierten Doppelwänden, welche die Stabilität, Wärmedämmung und Schallschutz sicherstellen. Die daraus entstandene Symbiose aus gestalterischer Freiheit und funktionaler Qualität markiert einen echten Fortschritt für moderne Bauprojekte.

 

Nachhaltigkeit als Kernprinzip

Das Verfahren setzt Material nur dort ein, wo es wirklich benötigt wird. Die Stützstruktur des Sandbetts kann nach dem Prozess vollständig wiederverwendet werden. Das reduziert Materialverbrauch, CO2-Emissionen und Abfall erheblich. Im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren eröffnen sich nicht nur ökonomische, sondern auch ökologische Vorteile – und dies ohne Einschränkungen bei Gestaltung oder Funktionalität.

 

Pareus Resort in Caorle: Leuchtturmprojekt der Branche

Mit dem Ferienresort Pareus im italienischen Caorle entsteht derzeit das bislang bedeutendste Referenzprojekt für den industriellen 3D-Betondruck. Auf einem Bauareal von rund 28.000 m² werden 28 Ferienhäuser errichtet, deren Trag- und Hüllstrukturen maßgeblich durch die innovative SPI-Technologie realisiert werden. Der Lieferumfang umfasst insgesamt 11.000 m² Fassadenelemente, davon 4.000 m² 3D-Fassade unter Verwendung der Green-Code-Thermowand Plus, 4.300 m² Doppelwände sowie 4.000 m² Green Code Eco Slab und 1.500 m² Progress-XM-Decke. Pareus manifestiert sich damit als ein Projekt von außergewöhnlicher technischer Relevanz. Erstmals zeigt sich in großem Maßstab, dass additive Fertigung nicht mehr nur ergänzend, sondern als tragende Produktionsmethode im Betonfertigteilbau eingesetzt werden kann. Insbesondere die Green-Code-Thermowand Plus unterstreicht den Fokus auf nachhaltige Lösungen.

Zeitplan und wirtschaftliche Bedeutung

Die Fertigstellung des Rohbaus ist für Sommer 2026 geplant, die Eröffnung des gesamten Resorts hingegen im Mai 2027. Neben architektonischer Freiheit und hoher Qualität beweist das Projekt auch wirtschaftliche Effizienz. Durch die kontrollierte Fertigung im Werk werden Prozesse beschleunigt, Kosten reduziert und gleichzeitig höchste Präzision gewährleistet. Somit werden Ressourcen optimaler eingesetzt und eine terminsichere Umsetzung garantiert.

 

Internationale Signalwirkung

Das Resort Pareus gilt als Maßstab für zukünftige Großprojekte im Fertigteilbau. Mit seiner Dimension und technischen Komplexität hebt es den 3D-Betondruck aus der Pilotphase heraus und etabliert ihn als marktreifes Verfahren. Die Verbindung aus Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und gestalterischer Freiheit setzt neue Standards und macht den SPI-3D-Betondruck der Progress Group zu einem strategischen Werkzeug für die Betonfertigteilindustrie weltweit.

CONTACT

Progress Group

3D Concrete Printing

Julius-Durst-Straße 100

39042 Brixen/Italy

+39 0472 979 100

www.progress-m.com

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