Klimaver-Massivwand - Weiterentwicklung des Fertigteilbaus durch Blähglas

Auf den IAB-Tagen in Weimar präsentierte H+L die Klimaver-Massivwand, ein auf Blähglasgranulat basierendes Wandsystem, das hohe Anforderungen an Wärmeschutz, Brandschutz und Wohngesundheit erfüllt. Der Fachvortrag von Dipl.-Ing. Michael Hommel fand in der BFT-Redaktion besondere Aufmerksamkeit, sodass wir die zentralen Inhalte zu Systementwicklung, Materialeigenschaften und der Bedeutung für nachhaltige Gebäudehüllen für Sie zusammengefasst haben.

Die H+L Baustoffwerke sind ein seit 1904 familiengeführtes mittelständisches Unternehmen mit Standorten in Glauchau und Uehlfeld. Das Unternehmen ist auf die Planung, Herstellung und Logistik von Betonfertigteilen spezialisiert und bietet als Systemanbieter alle erforderlichen Schritte von der Angebotsbearbeitung über die Werksplanung und Produktion bis zur Lieferung und Montage aus einer Hand an. Ziel ist ein durchgängig abgestimmter Bauprozess mit klar strukturierten Abläufen. Die Unternehmensentwicklung umfasst zahlreiche technische Erweiterungen, darunter die Einführung verschiedener Wand- und Deckensysteme seit den 1970er-Jahren sowie die Inbetriebnahme zusätzlicher Produktionsstandorte. Das Unternehmen blickt auf über 120 Jahre kontinuierlicher Tätigkeit im Bereich der Betonfertigteilherstellung zurück.

Als Spezialist für Systemrohbau-Lösungen verbindet H+L tiefgreifende Werkstoffkenntnisse, moderne Fertigungstechnik und einen konsequent nachhaltigen Anspruch an das Bauen der Zukunft. Mit der Entwicklung der Klimaver-Massivwand wird ein innovativer Meilenstein im Bereich ökologisch optimierter Fertigteile gesetzt. Der Hersteller ist nach eigenen Angaben damit der einzige Anbieter von vorgefertigten Außenwänden aus Blähglasgranulat – einem Baustoff, der ökologische Verantwortung mit exzellenten bauphysikalischen Eigenschaften vereint.

 

Blähglasgranulat als zentraler Werkstoff der
Klimaver-Massivwand

Grundlage der Klimaver-Massivwand ist ein hochleistungsfähiges Blähglasgranulat aus dem Hause Liaver, einem Unternehmen der Sto-Gruppe. Es wird seit 1996 in einem überwachten Verfahren aus reinem Altglas hergestellt. Aufbereiteter Glasbruch wird fein gemahlen, gemischt und geformt. Im Blähofen wird das Rohgranulat bei bis zu
900 °C gesintert. Das mineralische Material hat sich aufgrund seiner vorteilhaften Kombination aus niedriger Kornrohdichte, hoher Kornfestigkeit und dichter Kornoberfläche im Bau bei anderen Produkten auf vielfältige Weise bewährt. Es ist feuchtigkeitsresistent und absolut frei von Verunreinigungen. Das mineralische Material zeichnet sich durch geringe Kornrohdichte, hohe Kornfestigkeit, geschlossene Oberfläche und damit eine außergewöhnlich gute Feuchtigkeitsresistenz aus. Schadstofffrei und dauerhaft formstabil erfüllt das Granulat höchste ökologische und bautechnische Anforderungen. Das lose Liaver-Blähglasgranulat wird mit einem speziell abgestimmten Zement und Kornmatrix ohne zusätzliche Zuschlagstoffe zur Klimaver-Mischung verarbeitet. Anschließend wird diese Mischung in die vorbereitete und maßgenau eingerichtete Form eingebracht. Nach dem kontrollierten Trocknungsprozess in witterungsunabhängigen Fertigungshallen werden die fertigen Wandtafeln für den Transport zur Baustelle vorbereitet und zur Montage ausgeliefert.


Leichtbetonstruktur und Ressourcenschonung durch Blähglas

Die im Fertigteil eingesetzte Korngröße von 2–8 mm verleiht dem Leichtbeton eine haufwerkporige Struktur, die zahlreiche Vorteile bietet: Die eingeschlossene Luft sorgt für exzellente Dämmeigenschaften, während die mineralische Kornfestigkeit die notwendige Hochdruckbelastbarkeit gewährleistet. Entscheidend ist die optimierte Porenstruktur, die über Jahre weiterentwickelt wurde und das Material heute zum einzigen Blähglasgranulat macht, das sich für vorgefertigte Blähglas-Massivwände in Elementbauweise eignet.

Zudem leistet der Baustoff einen wichtigen Beitrag zur Ressourcenschonung: Er reduziert den Einsatz natürlicher Rohstoffe wie Sand und Kies und ermöglicht nach einer Nutzungsdauer von mindestens 50 - 100 Jahren ein hochwertiges Upcycling als Dämmmaterial.

 

Ökologie, Effizienz und Wohngesundheit

Mit der Markteinführung von Klimaver verfolgt H+L einen klaren Ansatz: hochwertige Gebäudehüllen ohne zusätzliches Wärmedämmverbundsystem zu realisieren – und dies auf Basis eines emissionsarmen, wohngesunden und langlebigen Baustoffs. Die Klimaver-Massivwand wirkt diffusionsoffen, nimmt kaum Wasser auf und erfüllt gleichzeitig die Anforderungen der höchsten Brandschutzklasse A1 (REI90).

Damit bietet sie nicht nur bautechnisch, sondern vor allem im Hinblick auf Wohngesundheit und Nachhaltigkeit ein überdurchschnittliches Leistungsprofil. Gerade unter heutigen Energie- und Komfortansprüchen ist die Auswahl emissionsarmer Baustoffe essenziell, denn zunehmend luftdichte Gebäudehüllen erfordern Materialien, die Feuchte regulieren, Schimmel vorbeugen und ein dauerhaft ausgeglichenes Wohnklima fördern.

 

Die Entwicklung der Klimaver-Massivwand

Mit der Produktentwicklung im Jahr 2021 und der Markteinführung der Klimaver-Massivwand im Jahr 2022 verfolgten die H+L Baustoffwerke eine klar definierte Vision. Ziel war es, einen zukunftsfähigen Wandbaustoff zu entwickeln, der den steigenden technischen, ökologischen und bauphysikalischen Anforderungen an moderne Gebäudehüllen gerecht wird.

Im Mittelpunkt der Entwicklungsziele standen dabei folgende Aspekte:

der konsequente Verzicht auf Wärmedämmverbundsysteme bei Außenwänden,

die Entwicklung eines ökologischen und ressourcenschonenden Wandbaustoffs,

das Erreichen bauphysikalischer Bestwerte sowie

die Wiederverwertbarkeit des Materials im Sinne der Umsetzung des Kreislaufprinzips.


Vor dem Hintergrund zunehmend höherer Anforderungen an die Gebäudehülle – insbesondere an den Wärmeschutz von Außenwänden – bestand für die H+L Baustoffwerke die Notwendigkeit, neue Leichtbetonzusätze zu entwickeln. Diese sollten eine signifikante Verbesserung der Wärmedämmeigenschaften ermöglichen, ohne dabei die konstruktiven und bauphysikalischen Eigenschaften negativ zu beeinflussen.

Der Produktentwicklung gingen umfassende Simulationen zum Langzeitschwindverhalten der Wände in Zusammenarbeit mit dem IAB Weimar voraus. Ergänzend wurden entsprechende Nachweise in den Bereichen Bauphysik, Statik und Brandschutz erbracht. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen bestätigen die hohe Leistungsfähigkeit des Systems: Die Wände sind diffusionsoffen, weisen nur eine sehr geringe Restfeuchte auf, nehmen kein Wasser mehr auf und sind der höchsten Brandschutzklasse A1 zugeordnet.

Der Markterfolg der Klimaver-Massivwand spiegelt sich in den kontinuierlich steigenden Absatzmengen wider. Seit der Markteinführung im Jahr 2022 wurden bereits mehr als 20.000 m² produziert. Das Anwendungsspektrum reicht dabei vom Einfamilienhaus über Doppel- und Reihenhäuser bis hin zu Großprojekten wie Seniorenresorts und mehrgeschossigen Wohngebäuden, die seither von den H+L Baustoffwerken realisiert wurden.

EPD-Zertifizierung 2023

Im Jahr 2023 erhielt die Klimaver-Massivwand eine Umwelt-Produktdeklaration (EPD) des Instituts Bauen und Umwelt e.V. (IBU). Diese international anerkannte Zertifizierung dokumentiert die gesamte ökologische Bilanz über den kompletten Lebenszyklus – vom Rohstoff bis zum Rückbau. Sie bestätigt den klimafreundlichen Charakter des Produkts und liefert Planern, Bauherren und Architekten eine fundierte Grundlage für nachhaltige Gebäudebewertungen.

Ganzheitliche Vorteile in Planung, Bau und Nutzung

Die Klimaver-Massivwand vereint robuste Massivbauweise, hohe Lebensdauer, natürliche Dämmung und Wohngesundheit in einem Produkt. Architekten und Planer profitieren von einem bewährten, industriell optimierten Wandsystem, das gleichzeitig alle Anforderungen moderner Nachhaltigkeitsstandards erfüllt.
Für Bauherren und Bewohner ergeben sich klare Vorteile:

diffusionsoffene, emissionsarme Bauweise

angenehmes und dauerhaft reguliertes Raumklima

hohe Energieeffizienz ohne zusätzliche Außendämmung

massiver, langlebiger und wertbeständiger Rohbau

wirksamer Brand-, Wärme- und Schallschutz.

Damit positioniert sich Klimaver als zukunftsweisende Alternative zu konventionellen Wandaufbauten – insbesondere für umwelt- und gesundheitsbewusste Baukonzepte.

CONTACT

H+L Baustoff GmbH

Am Lungwitzbach1

08371 Glauchau

+49 3763-50900

www.hl-baustoff.com


x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 07/2019 WÜRSCHUM

Neue Granulat-Dosieranlage für Kreher Beton

Die Firma Kreher Beton GmbH in Aschaffenburg ist ein bekannter langjähriger Hersteller von qualitativ hochwertigen Betonprodukten. Mitte des Jahres 2017 fiel die Entscheidung, einer in die Jahre...

mehr
Ausgabe 07/2025 WÜRSCHUM

Neue Granulat-Dosieranlage für Woehe & Heydemann

Im Frühjahr 2024 hat die Würschum GmbH eine neue hochpräzise 8-Farben-Granulatdosieranlage Typ Mini-Com 10-8 bei der Woehe & Heydemann GmbH & Co. KG aus Kummerfeld erfolgreich installiert und in...

mehr
Ausgabe 07/2024 KANN BAUSTOFFWERKE

Klimastein für bewährte Baustoffqualitäten bei hoher CO2-Einsparung

Neben dem mit dem Blauen Engel ausgezeichneten Recyclingpflaster RX40 ergänzt Kann aus Bendorf sein Produktportfolio um den Pflasterstein „ProKlima“, bei dem die CO2-Emissionen um 65 % gegenüber...

mehr