Wüstensandrose aus Beton – National- museum Katar

Der französische Architekt Jean Nouvel hat in Doha, der Hauptstadt von Katar, das dortige Nationalmuseum errichtet. Es besteht aus 539 doppelt gekrümmten und ineinander verschnittenen Faserbetonscheiben mit einem Durchmesser von bis zu 87 m.

Die Auseinandersetzung mit arabischer Kultur zieht sich durch das gesamte Werk des französischen Stararchitekten Jean Nouvel, der 2008 mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet wurde; dieser wird gerne als „Architektur-Oscar“ bezeichnet. So steht das neue Nationalmuseum in Doha, der Hauptstadt von Katar, in einer Reihe mit der Louvre Dependance von Abu Dhabi (2017) und dem Kulturzentrum Institut du monde arabe in Paris (1987), Nouvels allererstem Bau überhaupt. Sein aktuelles, gut 450 m x 250 m großes Bauwerk kann getrost als Architekturskulptur bezeichnet werden; es besteht aus 539 sandbraunen, diskusartigen Scheiben, die ineinander verschnitten einen Durchmesser von bis zu 87 m aufweisen. Dabei wirkt die Silhouette, als hätte „ein Tornado den Bestand eines Geschirrgeschäftes durcheinander gewirbelt“, wie es Norman Kietzmann vom Baunetz so schön treffend beschreibt.

Tatsächlich ließ sich Nouvel bei seiner Kreation von Wüstensandrosen inspirieren, mineralischen Strukturen, die bei der Verdunstungskristallisation gipshaltiger Sande entstehen. Er verteilte die blätterartigen Strukturen auf zwei ungleich große Anhäufungen, die klammerartig den alten Herrscherpalast umfassen. Die einstige Residenz der regierenden Al-Thani-Dynastie gehört ebenfalls zum Museum und wurde zu diesem Zweck aufwändig saniert und sensibel in das rd. 40 m hohe Volumen integriert. Von seiner Eröffnung an ist der Neubau zum Wahrzeichen des Hafens der katarischen Hauptstadt am Persischen Golf avanciert und braucht den Vergleich mit der Oper von Sydney oder der Hamburger Elbphilharmonie nicht zu scheuen. Der Rundgang durch das Museum beträgt beeindruckende 1,5 km und schließt als Höhepunkt einen Palastbesuch mit ein. Themen der Dauerausstellung sind Ursprung, Herkunft und Selbstverständnis sowie der Wandel von einem Beduinenstaat zur heutigen Wirtschaftsnation.

Tragflächen

Die doppelt gekrümmten Paneele aus Faserbeton (FRC = Fibre Reinforced Concrete) formen die geometrisch anspruchsvolle Gebäudehülle. Mit Hilfe verdeckt angebrachter Befestigungsanker wurden diese auf eine justierbare Stahlunterkonstruktion (SSS = Secondary Steel Structure) montiert. Diese besteht aus Längs- und Querspanten, die mit ihren geschwungenen Formen an den Flugzeugbau erinnern. Alle Paneele basieren auf „Disk Cladding Patterns“, die auf demselben statischen Prinzip fußen. Die Scheibengroßformen variieren in Durchmesser und Stärken, auch bilden ein „Boden“ und ein „Deckel“ nicht allein einen Sandrosendiskus. Vielmehr bestehen diese aus zahlreichen ...

Diese Kurzversion ist eine Vorschau auf das Jahrbuch Beton Bauteile 2020 (ISBN: 978-3-7625-3686-4), das seit Dez. 2019 unter www.profil-buchhandlung.de erhältlich ist.

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