Eingereicht von: IAB WEIMAR

Innovation: Leichtgranulate für R-Betone aus Mauerwerkbruch

Die Betonfertigteilindustrie leistet einen entscheidenden Beitrag, um den steigenden Bedarf an Wohn- und Nichtwohngebäuden zu decken. Diese Aufgabe ist mit einem erheblichen Verbrauch an mineralischen Gesteinskörnungen verbunden. Um neue Wege zur Steigerung der Ressourceneffizienz zu gehen, wird damit begonnen, Materialkreisläufe aufzubauen. Beispiel ist der Einsatz rezyklierter Gesteinskörnungen für die Herstellung von R(ressourcenschonendem)-Beton, bei dem auf „End of Life Concrete“ als anthropogenes Rohstofflager zurückgegriffen wird.

Eine bisher kaum genutzte Ressource ist Mauerwerkbruch – ein Gemisch aus verschiedenen Wandbaustoffen und im ungünstigsten Fall auch Gips. Diese Gemische – bisher bestenfalls im Downcycling wie z. B. in Erdbaumaßnahmen eingesetzt – eignen sich hervorragend als Rohstoff für die Herstellung leichter Gesteinskörnungen. In ihren Eigenschaften sind sie den aus blähfähigen Tonen hergestellten leichten Gesteinskörnungen ebenbürtig. Auch rückgebaute Bimsbetone kommen als Rohstoffquelle in Frage. Auf deren Basis hergestellte Leichtgranulate können traditionelle Bimsbaustoffe ersetzen, für die sich ein Ende der Verfügbarkeit deutlich abzeichnet.

Das IAB Weimar entwickelt seit vielen Jahren praktikable Lösungen zur Umsetzung der Kreislaufwirtschaft. Mit Beginn der 2000er Jahre steht der Lebenszyklusansatz „Gewinnung – Nutzung – Verwertung“ im Fokus vielfältiger FuE-Aktivitäten. Breiten Raum nimmt dabei die Verwertung von Mauerwerkbruch als Rohstoff für die Herstellung leichter Gesteinskörnungen ein. Nachgewiesen wurde, dass bei Brenntemperaturen von 1200 °C sowohl die zur Porosierung notwendige Freisetzung von Blähgasen bei gleichzeitiger Plastifizierung der Oberfläche als auch die chemischen Umwandlungen, die zu einer stabilen Materialstruktur führen, stattfinden.

Mittlerweile ist ein Wissensstand erreicht, der es erlaubt, die im Laborbereich erzielten positiven Ergebnisse auf den industriellen Maßstab zu übertragen. Dafür steht eine Pilotanlage zur Verfügung, deren Highlight ein gasbeheizter Drehrohrofen ist. In ersten Versuchen gelang es einem Forscherteam des IAB, diesen Prozess in die Praxis zu übertragen. Gleichzeitig wurde durch die beschriebene thermische Behandlung eine wirksame Sulfatreduzierung nachgewiesen. Der im Bauschutt enthaltene Gips konnte thermisch zersetzt und vollständig in die Gasphase überführt werden. 

CONTACT

IAB – Institut für angewandte Bauforschung Weimar gGmbH

Über der Nonnenwiese 1

99428 Weimar/Germany

+49 3643 8684-0

www.iab-weimar.de

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 2012-10 FGSV VERLAG

Gesteinskörnungen im Straßenbau

Bei der FGSV ist das Handbuch TL Gestein-StB in der Ausgabe von 2004 und mit der Überarbeitung von 2007 nun in einer englischen Übersetzung erschienen. Die englische Fassung kann als gedruckte...

mehr
Ausgabe 2011-07 Internationaler Forschungspreis geht nach Weimar

Nachwuchsforschungs-Preis für Diplomandin

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Untersuchung des Einflusses  alkalilöslicher Gesteinskörnungen auf die Blasenbildung von  Beschichtungen auf Beton (Alkali-Kiesel- säure-Reaktion – AKR)....

mehr
Ausgabe 2020-02 Bauschutt

Ein innovativer Rohstoff für leichte Granulate mit vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten

Bau- und Abbruchabfälle sind mit 89 Mio. t die mengenmäßig dominierende Abfallart in Deutschland. Verwertungswege gibt es hauptsächlich im Erd- und im Straßenbau. Ein Großteil bezieht sich auf...

mehr
Ausgabe 2017-02 Ergebnisse und Anwendungsbeispiele

Untersuchungen zum Einsatz rezyklierter Gesteins­körnungen des Typs 2

Im Vortrag werden die Untersuchungen und erste Ergebnisse des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Projektes zu anwendungsbezogener Forschung „Untersuchung von Mauerwerksabbruch und...

mehr
Ausgabe 2017-02 Betonwerkstein-Herstellung

Gesteinskörnungen für besonders gestaltete ­Betonwerksteinoberflächen

Im Vortrag wird das Thema der Gesteins-Charakterisierung aufgegriffen. Vorgestellt werden die geläufigsten mineralischen Rohstoffe für die Betonwerksteinherstellung – vom Basalt, über Granit bis...

mehr