Modulare Massivbauweise

Entwicklung einer neuartigen Baukastenbrücke

In Deutschland werden modulare Bauweisen im Brückenbau im Gegensatz zum europäischen Ausland und Nordamerika bisher nur eingeschränkt eingesetzt. Die Weiterentwicklung dieser Bauweise wird zurzeit durch die Straßenbauverwaltung stärker forciert. Erste Pilotprojekte wurden bereits oder werden aktuell realisiert. Das Beispiel der Stahlverbundbrücke Hammacherstraße über die A46 bei Hagen verdeutlicht das hohe Potenzial modularer Baukastenbrücken zur Reduzierung des volkswirtschaftlichen Schadens infolge Verkehrsbehinderung. Die Optimierung solcher Brücken wird in Zukunft ein zentrales Thema für die Forschung und die Bauindustrie sein.

Am Institut für Massivbau (IMB) der RWTH Aachen wurden in enger Zusammenarbeit mit der Firma Nesseler Bau GmbH ein neuartiges Konzept für ein modulares Baukastensystem für ein- und zweifeldrige Brücken aus Betonfertigteilen entwickelt (Abb.). Das Baukastensystem ermöglicht den Bau von Brücken aus Betonfertigteilen mit Spannweiten bis 50 m bei geringem Einsatz von Ortbeton und Vergussmörtel, sodass die übliche Bauzeit von 12 bis 15 Monaten bei konventioneller Ortbetonbauweise auf unter 100 Tage reduziert wird. Im Zuge der Konzeptentwicklung wurden theoretische und experimentelle Untersuchungen zu verschiedenen Detailpunkten der entwickelten Konstruktionen und möglichen Herstellmethoden in Klein- und Großversuchen durchgeführt. Zusätzlich wurden eine statische Bemessung des Gesamtbauwerks durchgeführt und ein Verkehrsführungskonzept für die Bauphase entwickelt. Diese optimierte modulare n.Segmentbrücke erfüllt somit alle technischen Anforderungen und wurde bereits praktisch erprobt. In der nächsten Phase sollen die großen Vorteile des entwickelten Gesamtkonzeptes in einem Pilotprojekt bestätigt werden.

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