Im Umbruch: Die neue Generation der
Betonfertigteilbranche

Im Jahr 2019 erwarb Unternehmer Jens Niendieck die heutige BWN GmbH – Betonwerk Niendieck in Bad Laer. Es folgten eine konsequente Modernisierung und ein bemerkenswertes Wachstum, gekennzeichnet durch den Ausbau des Produktportfolios, die Weiterentwicklung bestehender Produkte, eine Erhöhung der Mitarbeiterzahl von drei auf 28 und eine hervorragende Auftragslage. BFT-International-Redakteurin Karla Knitter hat Jens Niendieck in Bad Laer besucht und Einblicke in ein Fertigteilwerk im Wandel gewonnen.

Wieso (ver)kauft man ein Betonfertigteilwerk?

Das Thema der Unternehmensnachfolge ist oftmals kein einfaches. Im Falle der BWN GmbH fehlte dem Vorbesitzer des 1911 gegründeten Werks ein geeigneter Nachfolger, sodass ein externer Käufer für das Unternehmen gefunden werden musste. Niendieck, der vor seiner Selbstständigkeit als Vertriebsleiter großer Fertigteilwerke tätig war, war zu diesem Zeitpunkt auf der Suche nach einer solchen Herausforderung. „Ich hatte den Wunsch, eigener Unternehmer zu sein. In diesem Betonfertigteilwerk habe ich direkt das große Potenzial gesehen“, berichtet Niendieck.

Zu diesem Zeitpunkt wurden in Bad Laer von den damals drei Mitarbeitern ausschließlich Fahrzeugwaagen produziert – und das für einen einzigen Kunden. Das änderte sich drastisch, nachdem Niendieck als neuer Inhaber und Geschäftsführer am 1. Januar 2020 eine umfangreiche Modernisierung und Umstrukturierung in Angriff nahm. Heute sind 28 Mitarbeiter im Werk in Bad Laer angestellt. Vom Fachkräftemangel ist die BWN GmbH nur bedingt betroffen. Einige der 19- bis 65-jährigen Mitarbeiter absolvieren parallel zum Job Weiterbildungen. Langfristig möchte Niendieck auch selbst im Werk ausbilden. „Die große Abwechslung der Tätigkeiten macht einen Job bei uns anspruchsvoll, bringt aber viel Motivation und Spaß mit sich“, erzählt Niendieck.

Bei einer insgesamt sehr guten Auftragslage steht das Unternehmen heute auf mehreren Standbeinen. Zum Produktspektrum zählen Fahrzeugwaagen, Gleis- und Fahrzeuggruben, Kabelkanäle und -schächte, Gerätefundamente für Umspannanlagen, Lichtmastfundamente, Sonderplatten für Bauwerke und Verkehrsflächen, BWN-Blocksteine und die Individualfertigung. Aktuell misst das Betriebsgelände 3 Hektar, durch den Zukauf benachbarter Flächen hat Niendieck aber bereits den Weg für weiteres Wachstum geebnet.

Herausforderungen und Modernisierungsmaßnahmen

Vor eine nicht zu unterschätzende Herausforderung stellten Jens Niendieck die kleinen, sehr verschachtelten Hallen seines Betriebs. In diesen ist wenig bis kein Kraneinsatz möglich. Niendieck löst dieses Problem aktuell mit intelligenten, angepassten Schalungssystemen. Im Einsatz sind hydraulische Formen, die auch ohne Lastenkran transportiert werden können. Langfristig ist aber der Bau weiterer Hallen geplant. „Wir stellen alles immer wieder auf den Prüfstand. Wenn wir etwas nicht leisten können, suchen wir nach einer Lösung.“

Wo ein Kran arbeiten kann, tut dies ein moderner mobiler Portalkran von Combilift Irland (Baujahr 04/2022). Dieser ist individuell an die spezifischen Vorgaben der BWN GmbH angepasst. Alle Funktionen des Krans sind per Fernbedienung steuerbar. Der mobile Portalkran weist eine maximale Hubkapazität von 40 t und maximale Hubhöhe von 6,27 m auf. Er ist auch auf Schotterflächen fahrbar und bewältigt Steigungen bis 5 %. Doch der Kran ist nur ein Beispiel für neueste Technik in einem alten Betonfertigteilwerk.

Das Konzept, Alt und Neu zu kombinieren, geht auch bei der Mischanlage des Unternehmens auf. Die Anlage des Herstellers Eirich stammt aus dem Jahr 1987. Die ältere, aber sehr robuste Technik wurde 2020 durch eine neue digitale Steuerung modernisiert. Durch deren Einbau ist die Mischanlage den heutigen Anforderungen der unterschiedlichen Unternehmensstandbeine gewachsen. „Kontinuierliche Modernisierung der Technik und damit permanente Investitionen sind zwingend notwendig“, sagt Niendieck.

Auch der Kiesschrapper von Elba wurde 2022 umgebaut und automatisiert. In diesem Jahr wurden außerdem neue Druckluft-Zementstaubfiltersysteme von Kurz Silosysteme installiert.

Individualfertigung

Das Unternehmensstandbein Individualfertigung ist Niendiecks Antwort auf einen immer anspruchsvoller werdenden Markt. „Insbesondere die zeitliche Taktung auf der Baustelle wird immer wichtiger“, sagt er. Damit Zeitpläne eingehalten werden, liefert das Betonwerk Niendieck Bauunternehmern gezielt Fertigteillösungen für Ortbetonprojekte. Auf die Wünsche der Kunden wird dabei mit einem Höchstmaß an Flexibilität reagiert. Geliefert werden beispielsweise Schachtabdeckplatten oder Böschungsplatten – und das in jeder Stückzahl. Auch die Vorgehensweise wird den individuellen, auftragsbezogenen Bedürfnissen angepasst. Aus dem engen Dialog während der Projekte entstehen oftmals lange Kundenbeziehungen.

 

Herstellung von Fahrzeugwaagen

Der Bereich der Fahrzeugwaagenherstellung war vor der Werksübernahme das alleinige Tätigkeitsfeld des Betonfertigteilwerks und spielt auch heute noch eine wichtige Rolle. Die Produktion wurde in den letzten Jahren stark verändert, die Bauteile sind jetzt schlanker und effizienter, was bei der Verfrachtung äußerst vorteilhaft ist. Mit den Fahrzeugwaagen werden Kunden aus ganz Deutschland und den Nachbarländern beliefert; das Betonwerk Niendieck ist heute einer der führenden Anbieter in Europa.

 

Kabelschächte & Co.

Die serielle Herstellung von Kabelschächten und -kanälen für Umspannanlagen bildet einen weiteren Produktzweig des Betonwerks Niendieck. „Mit diesen Produkten beteiligen wir uns an der Energiewende“, sagt Niendieck.

 

Sonderprojekt: Lichtmastfundamente Wilhelms-haven

Ein aktueller, besonderer Auftrag des Betonwerks ist die Produktion von 32 Lichtmastfundamenten zur Kajenerweiterung des Marinestützpunktkommandos Wilhelmshaven. Die Fundamente messen 1,5 × 1,5 × 1,75 m und wiegen jeweils ca. 10 t. Umzusetzen ist eine Sonderausführung des Kopfbereiches als Schräge mit Pyramidenstumpf. Die Fertigung erfolgt schalungserhärtet über Kopf in Individualschalung. Eine übergeordnete Rolle wird dabei auch der Qualität und damit der Rezeptur des Betons beigemessen, denn dieser muss der besonderen Herausforderung der Beständigkeit im Salzwasser gewachsen sein. Gelöst wird diese Anforderung mit einer Beton-Sonderrezeptur.

 

Verbandsarbeit und Zukunftsvision

Jens Niendieck möchte andere Jungunternehmer an seinen Erfahrungen teilhaben lassen und engagiert sich deshalb zukünftig als Referent für die Wirtschaftsförderung Osnabrück (WIGOS). Aktuell ist er bereits Mitglied des Mittelstandbeirates der Volksbanken Gruppe. Die WIGOS ist zentraler Partner der Unternehmen in Osnabrück und unterstützt sie von der Begleitung bei Investitionsprojekten über die Innovationsförderung bis hin zur Fördermittelberatung. „Ich habe selbst bei meinem Schritt in die Selbstständigkeit von befreundeten Bauunternehmern als Mentoren profitiert. Jetzt kann ich aus der Praxis erzählen und mein Wissen weitergeben.“ Seine 180-Grad-Kehrtwende des Unternehmens durch konsequente Modernisierung sieht der Unternehmer nicht als Einzelfall. „Unsere Branche ist im Umbruch“, sagt er. Er selbst plant weiteres unternehmerisches Wachstum durch den Zukauf weiterer Werke und ist am intensiven Austausch mit Branchenkollegen interessiert.

CONTACT

BWN GmbH Betonwerk Niendieck

Bielefelder Str. 60

49196 Bad Laer/Germany

+49 5424 9205

www.betonwerk-niendieck.de

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 2011-09 Zuverlässiger Partner im Betonbauteilgeschäft

thomas übernimmt Betonwerk Fehrbellin Gruppe

Zur thomas gruppe gehören bereits die Hofmann Betonbauteile, die Heinrich Schnabel Fertigdecken und die Betoform Betonbauteile. Kunden und Partner der jetzt zehn Standorte können künftig auf die...

mehr

Ergebnisse der FBS-Mitgliederversammlung

Am 29. September fand in Berlin die diesjährige Ordentliche Mitgliederversammlung der Fachvereinigung Betonrohre und Stahlbetonrohre e.V. statt. Nach der Begrüßung durch den Geschäftsführer,...

mehr
Ausgabe 2017-10 Rekers Betonwerk

Führender deutscher Betonfertigteilhersteller feiert Werksjubiläum

Eine Zeit des Aufbruchs und der Chancen waren die 1990er Jahr nach der Vereinigung der beiden deutschen Teilstaaten DDR (Deutsche Demokratische Republik) und BRD (Bundesrepublik Deutschland). Auch...

mehr
Ausgabe 11-2015 Betonwerk Heinrich Hachmeister

Fertigteil-„Shelter“ für Flüchtlinge (Video)

Pfiffig und geschäftstüchtig reagiert das Betonwerk Heinrich Hachmeister mit Sitz in der Stadt Andernach auf die Zuteilung von Flüchtlingen in das Bundesland Rheinland-Pfalz. Gemeinsam mit dem...

mehr
Ausgabe 2016-08 InformationsZentrum Beton

Neue Broschüre zu Auffangbauwerken

Bauwerke für den Umgang mit wassergefährdenden Stoffen unterliegen bei Planung, Bau, Betrieb, Abbruch und Entsorgung gesetzlichen Regelungen und behördlichen Auflagen. Die materialtechnologischen...

mehr