Henning Kortmann – Technikpionier und „Betonkopf“

Die Kortmann Beton GmbH & Co. KG wurde im Jahr 1950 durch Carl Kortmann gegründet und handelt seitdem mit Baustoffen für den Straßen-, GaLa- und Tiefbau. Nur wenig später begann die Produktion von Betonerzeugnissen. Seit nunmehr fünf Jahren führt Henning Kortmann die Firma und hat diese umfänglich modernisiert.

Kortmann Beton GmbH & Co. KG mit Sitz in Schüttorf nahe der niederländischen Grenze wurde im Jahr 1950 durch Carl Kortmann gegründet und handelt seitdem mit Baustoffen für den Straßen-, GaLa- und Tiefbau.

Jahre später begann die Produktion von Betonerzeugnissen, wodurch bundesweite und internationale Märkte erschlossen werden konnten. Seit 1970 leitet Karl Kortmann in zweiter Generation das Unternehmen; in 2014 sind seine Söhne Matthias und Henning in die Geschäftsführung eingestiegen. Damit befindet sich das Unternehmen mittlerweile in der dritten Generation.

Das Betonwerk Kortmann produziert innovative Produktlösungen, um seinen Kunden Umweltschutz auf höchstem Niveau zu ermöglichen. Auch die Produktion selbst verläuft nachhaltig, z. B. durch die Eigenherstellung des Strom- und Wärmebedarfs durch regenerative Energien. Produkte, die den eigenen hohen Qualitätsansprüchen nicht genügen, werden im Rohstoffkreislauf wiederaufbereitet. Abwässer, die bei der Produktion von Betonerzeugnissen entstehen, leitet der Betonwarenhersteller über einen Aufbereitungsprozess ebenfalls wieder in die Produktion ein. Kortmann bildet verschiedenste Berufsbilder aus und gibt langfristige Arbeitsplatzsicherheit, um den Fortbestand und die Innovationskraft des Unternehmens langfristig zu sichern.

Unternehmer der dritten Generation

Die breite Produktpalette an Betonwaren erstreckt sich von Terrassenplatten über Öko- und Gestaltungspflaster oder Gartenmauersysteme bis hin zu einem umfangreichen Funktionsprogramm. Dieses umfasst beispielweise Rechteckpflaster, Gehwegplatten, Bordsteinsysteme, Verkehrsleitsysteme, Verbund- und Signalsteine, Rasenmähkanten, L-, U- und Doppel-T-Steine, Winkelstützwände und Überfahrschwellen. Dabei kommt modernste Produktionstechnik zum Einsatz.

Seit nunmehr fünf Jahren führt Henning Kortmann die Firma, hat diese innerhalb kurzer Zeit umfänglich modernisiert und z. B. bereits rund 7 Mio. Euro in die Erneuerung der Produktionsanlagen sowie die Vernetzung von Herstell- und Vertriebsdaten investiert. „Als ich ins Unternehmen kam, gab es nicht einmal einen Produktkatalog, geschweige denn ein richtiges Marketing. Die Maschinen waren 30 bis 40 Jahre alt, und auf dem Werksgelände lagen ca. 40.000 t Bauschutt – von Sträuchern überwuchert – herum“, erinnert sich der Bachelor of Arts und Betontechnologe schmunzelnd. „Da mein Vater das Unternehmen aus gesundheitlichen Gründen an einen geeigneten Nachfolger übergeben wollte, hieß es plötzlich: ‚Entweder du kommst – oder wir verkaufen‘.

Heute führt der mittlerweile 32-jährige ca. 140 Mitarbeiter und bewegt einen Jahresumsatz von rund 20 Mio. Euro. Der Generationswechsel allein wäre Herausforderung genug gewesen. Kortmann jedoch hatte sich zum Ziel gesetzt, dem Unternehmen mit seiner jungen Mannschaft neues Leben einzuhauchen und zu einem der Hightech-Pioniere in der Betonsteinbranche zu werden.

„Gemeinsam mit meinem Freund und Prokuristen Julian Krümpel startete ich zunächst mit einer Marktanalyse und besuchte andere Unternehmen, um deren Produktionstechniken zu sehen. Inzwischen kommen Hersteller aus anderen Bundesländern und sogar von niederländischen, tschechischen und russischen Betonwerken zu uns, um sich in Sachen Digitalisierung zu informieren“, so Kortmann.

200.000 Pflastersteine und Betonplatten pro Tag

Henning Kortmann präsentiert den Gästen gern sein Unternehmen, in dem die gesamte Wertschöpfungskette des verarbeiteten Betons digital erfasst wird. Highlight der Werksbesichtigungen ist der orangefarbene Kuka-Roboter namens „Wall-E“, angelehnt an einen Science-Fiction-Film. Mussten bis vor wenigen Jahren noch mehrere Mitarbeiter aus 200.000 Pflastersteinen und Betonplatten pro Tag die Mängelexemplare manuell aussortieren, übernimmt das heute der elektronische Helfer. Sobald eine 3D-Kamera einen Betonstein als mangelhaft erkannt hat, fährt der Greifarm von „Wall-E“ aus und senkt sich über die Palette. Per Unterdruck-Saugnapf zieht er den schadhaften Stein aus der Lage und legt diesen separat ab. Der Roboter samt Inspektionssoftware wurde durch die Firma Ibea aus Hamburg installiert.

Gesteuert wird das System über eine Software, die Daten aus der Produktion analysiert, beispielsweise zur Zusammensetzung der Betonmischung einschließlich Farbe, Körnung, Bindemitteln und Wasseranteil. Dank der Vernetzung der Daten mit dem 2019 eingeführten Warenmanagement-System erkennen IT- und Produktionsleiter, an welchen Stellen optimiert werden muss, sei es bei den Maschineneinstellungen des Steinfertigers oder bei der Verweildauer in der Trockenkammer.

„Bei Reklamationen können wir selbst nach Jahren noch nachvollziehen, wie die Charge zusammengestellt wurde. Außerdem geht das Erstellen von Angeboten nun viermal so schnell wie früher“, so Kortmann weiter. „Ich will auch gar nicht verschweigen, dass es gewisse Anlaufschwierigkeiten gab. Wenn sich auf den alten, unruhig laufenden Anlagen die Position der Steine nur minimal veränderte, fanden die Sensoren von ‚Wall-E‘ diese nicht. Entweder wurden zu wenige oder zu viele Mängelexemplare entnommen, sodass die Produktion immer wieder stockte. Abhilfe schuf letztlich die Nachrüstung einer ruhiger laufenden Fördertechnik.“

Neue Anlage und Know-how von KBH

Diese neue Fördertechnik wurde vom oberbayerischen Anbieter KBH Baustoffwerke Gebhart & Söhne geliefert, verbunden mit umfangreichem Wissenstransfer. Geschäftsführer Hans Gebhart sah sich dabei nicht nur als bloßer Anlagenlieferant, sondern auch als Mentor: „Mit meinen 54 Jahren ein ‚alter Hase‘ in der Branche, war es mir ein regelrechtes Bedürfnis, neben der eigentlichen Auftragsabwicklung den engagierten und wissbegierigen ‚Jungspunden‘ mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ich war beeindruckt, in welch kurzem Zeitraum sich Henning Kortmann und Julian Krümpel in die Thematik eingearbeitet haben, obwohl sie damals ein für sie Neuland betraten.“

Diese Technikoffensive ermöglicht die Herstellung anspruchsvoller Produkte in Sonderformen und mit kreativen Beschichtungen. Mehr als 200 Formate können die Anlagen produzieren, doppelt so schnell wie früher. So gewann Kortmann u. a. die Baufachmärkte der Krefelder Franchise-Kette „Bauen+Leben“ als Kunden: Terrassenplatten und Pflastersteine aus Schüttorf werden nun als Eigenmarke in rund 50 „Bauen+Leben“-Filialen verkauft.

Umweltschonende Produktion und Recycling

Heute finden selbst die Schutthalden Verwendung; diese werden zusammen mit frischem Betonbruch seit drei Jahren als Recyclingmaterial genutzt. Das Altmaterial wird gebrochen und in unterschiedlicher Körnung in neuen Pflastersteinen und Betonplatten eingesetzt.

Sämtliche Dächer der Unternehmensgruppe sind mit Photovoltaikanlagen ausgerüstet. Ein Blockheizkraftwerk produziert Strom und Wärme für die Fabrik und der Diesel-LKW auf dem Firmengelände soll demnächst einen Elektromotor bekommen. Besonders stolz ist Henning Kortmann darauf, dass einige seiner Produkte ökologischen Nutzen bringen. Dazu zählen an Tankstellen und in Chemiewerken verbaute Betonplatten, die Kraftstoffe und Chemikalien nicht ins Erdreich versickern lassen. Kortmann-Fertigteile kommen darüber hinaus beim Bau von Umspannwerken der Nord-Süd-Stromtrasse zum Einsatz, dienen als Fundament für Elektroauto-Ladesäulen und unterstützen damit Energiewende und Klimaschutz.

Obwohl der Umsatz in 2018 schwächer ausfiel, da wegen des Anlagenumbaus monatelang nicht produziert werden konnte, stimmen die Zahlen jetzt wieder. „Im ersten Halbjahr 2019 war die Firma auf Rekordkurs – bei steigenden Margen in allen Produktbereichen“, so Kortmann abschließend. „Wir sind jetzt so weit, dass die Innovationen Mehrwert bringen. Was ich in meiner Jugend nie für möglich gehalten hätte: mittlerweile bin ich - im positiven Sinne - ein echter Betonkopf geworden.“

CONTACT

Kortmann Beton GmbH & Co.KG

Holmers Kamp 6

48465 Schüttorf/Germany

+49 5923 9663-0

www.kortmann-beton.de

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 2014-11 Diephaus

Klassische Moderne

Bisher bestehen Trockenmauern meist aus Natursteinen. Das Diephaus Betonwerk bringt einen Betonstein auf den Markt, der dem Stil der klassischen Moderne entspricht. Folgerichtig heißt er Gropio –...

mehr
Ausgabe 2009-08

August 2010

Ausgabe 2010-07

Juli 2010

Ausgabe 2010-03

KBH Maschinenbau, Baustoffweke Gebhart & Söhne GmbH & Co. · Hall B1, booth 110

KBH-Maschinenbau – präsentiert auf der diesjährigen bauma wieder mit Lösungen von Produzenten für Produzenten um Diversifikation zu ermöglichen. Die von KBH entwickelten und eingehend getesteten...

mehr