Grüne Welle – eine Lärmschutzwand verknüpft Kultur und Natur

Einmal anders, als man es kennt: Eine bekannte Bierbrauerei umgibt sich an ihrem Stammsitz mit einer Lärmschutzwand, damit der Lärm nicht nach außen dringt. Um einen hermetisch geschlossenen Eindruck zu mindern, wurden die Vertikalflächen für die Aufnahme von grünen Moosbehängen vorbereitet.

Die Gemeinde Krombach zeichnet sich durch ihre besondere Lage im Gesamtraum des Krombachtals aus und wird durch drei untrennbare Faktoren geprägt: Naturraum, Geschichte des Orts und die Krombacher Brauerei. Gemeinsam bestimmen sie das Ortsbild und beeinflussen sich gegenseitig. Im ganzen Ort ist die Natur sichtbar: Bäche, die sich wie Lebensadern durch den Ort ziehen, grüne Wiesen und Weiden und der Blick auf die bewaldeten Berghänge. Der Krombach quert südlich des Orts von Ost nach West.

 

Umweltverträglichkeit

Mit dem Neubau des Hochregallagers als Erweiterung des Firmengeländes der Krombacher Brauerei bedurfte es der Planung und Realisierung einer Lärmschutzeinrichtung sowie der Verlegung des Krombachs. Diese Maßnahmen waren eine große Herausforderung und schafften zugleich die Möglichkeit einer neuen, nachhaltigen Positionierung der Krombacher Brauerei im Ortsbild Krombach. Das Bauunternehmen Otto Quast aus Siegen wurde damit beauftragt, diese sehr anspruchsvolle Lärmschutzwand herzustellen und zu errichten.

Entworfen wurde das Projekt vom Landschaftsarchitekten Andreas Kipar. Er musste die umliegende grüne Landschaft mit ihren Hügeln und dem vorbeifließenden Krombach mit einer 10 bis 12 m hohen Wand und dem dahinterliegenden großen Werk in Einklang bringen. Seit jeher wird in Krombach mit dem Felsquellwasser der Region Bier gebraut. Die Krombacher Brauerei achtet daher darauf, das Ziel der Nachhaltigkeit bei der Produktion zu verfolgen, eine ökologisch verträgliche und ressourcenschonende Herstellung zu garantieren sowie die Natur zu würdigen und zu schützen.

Die Lärmschutzwand als technisch notwendiges Bauwerk wurde sensibel im Einklang mit der Natur gestaltet und im Sinne einer „Landschaftswand“ interpretiert. Die Formensprache der aufsteigenden Kohlensäurebläschen fügte der zunächst funktional ausgeprägten Lärmschutzwand eine zweite parallel geschwungene Membran hinzu. Um das Bauwerk leichter zu gestalten, wurde die Wand deshalb wellenförmig angelegt und bekam zudem eine Struktur auf der Oberfläche.

Begrünung

Die den Ort prägende und identitätsstiftende Landschaft der Krombacher Inseln wurde auf die zweite Ebene der Lärmschutzwand projiziert. Die Inseln, die vielen Bierliebhabern aus der TV-Werbung ein Begriff sind, liegen als Moosflächen auf der vertikal geschwungenen Wand.

Der Hopfen als Grundzutat des Biers ist ebenfalls formgebend für die Gestaltung der Lärmschutzwand. Durch seinen starken Wuchs, seine besonderen Blüten und auch durch seinen angenehmen Duft zeichnet sich Hopfen aus. Schräge Abschnitte an der Wand werden als Analogie zum eigentlichen Hopfenanbau in Szene gesetzt.

Durch seine Begrünung besitzt das Bauwerk einen großen ökologischen Nutzen: Das Moos wurde als Mix aus Zellulosemasse, natürlichem Klebstoff, Gartenerde und zerkleinerten Pflanzenteilen auf die Matten aufgesprüht. Nach dem Anwachsen dient es als Feinstaubfilter für die Abgase, die am Leergutlager zwangsläufig entstehen: Laut Kipar filtert 1 m2 Moos so viel wie 17 erwachsene Bäume. Die insgesamt 270 m² große, mit Moos begrünte Fläche weist eine Filterleistung auf, die der von über 4.000 Bäumen entspricht.

Mit ihrem ökologischen Zusatznutzen wird die Wand zudem den Ansprüchen an Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein gerecht, die sich die Brauerei gesetzt hat. Das vertikale Landschaftsbild verändert sich mit den Jahreszeiten und bietet den Anwohnern einen abwechslungsreichen Anblick, was den Beitrag zur grünen Lebensqualität erhöht.

 

Renaturierung des Krombachs

Die Gestaltung des Krombachs fügt sich in die landschaftliche Formensprache ein. Sanft geschwungene Erdmodellierungen betten den Bachlauf gleich einer Auenlandschaft ein. Bänder aus blühenden Wildpflanzen nehmen den Schwung der Wand entlang der Ufer des Krombachs auf. Auengehölze setzen vertikale Akzente und vermitteln zwischen Straßenraum und Bach. Die Renaturierung und Öffnung des Krombachs werten den Ortseingang an der Hagener Straße auf und schaffen eine neue Aufenthaltsqualität.

Die Lärmschutzwand integriert sich mit ihrer geschwungenen Form in die Sprache der das Ortsbild prägenden Natur und spiegelt diese wider. Sie schafft so die Verknüpfung von Kultur und Natur. Technische Ausführung: Die Lärmschutzwand ist 185 m lang, 6 bis 10 m hoch, weist in der Tiefe bis zu 1,90 m auf und kragt bis zu 2,40 m aus der Achse heraus. Sie besteht aus 63 Stützen, 93 Sockeln, 78 gekrümmten und 103 geraden Wandelementen mit Matrize. Gegründet ist die Wand auf 142 Quast-Vollverdrängungsbohrpfählen, die eine Gesamtlänge von 1.100 m besitzen. Auf diesen Pfählen sitzen Pfahlkopffundamente mit einem integrierten Köcher, die die Stützen bis zu 11 m Länge einbetten.

Um die Wand mit Moos und diversen anderen Pflanzen in der Vertikalen zu begrünen, müssen die Wandoberflächen eine sehr raue, mit vielen Hinterschnitten versehene Oberfläche aufweisen. Hierzu eignet sich die Matrize Cheyenne von Reckli, die eine Felsstruktur der französischen Alpen in den Beton prägt.

 

Produktion

Die große Herausforderung bei der Lärmschutzwand bestand für Otto Quast darin, dass diese aus 274 verschiedenen Schallschutzelementen besteht, die eine Verwindung von bis zu 1,5 m in der Höhe haben. Die Schallschutzwandelemente sind geometrisch und haben eine Größe von bis zu 3,3 m × 4,5 m. Man musste eine Form bauen, die dreidimensional in allen Richtungen verstellbar war. Das Grundgerüst der Schalung bestand aus einzelnen Holzschalungsträgern, die die erforderliche Kontur der einzelnen Schallschutzelemente abbildeten. Die Matrize wurde wesentlich dicker ausgeführt und die Abstände der Holzschalungsträger wurden so angepasst, dass keine zusätzliche Schalschicht erforderlich war.

Diese aufeinander abgestimmten Hauptschalungskomponenten erleichterten die Realisierung der Welligkeit. Auf die Matrize wurden individuelle CNC-gefräste Seitenschaler gesetzt, die die Kontur der einzelnen Wandelemente abbildeten.

Der hier eingesetzte Beton stellte ebenfalls eine besondere Herausforderung dar. Dieser Beton sollte eine gewisse Standfestigkeit aufweisen, um beim Betonieren die großen Höhenunterschiede überwinden zu können, ohne dass er zum unteren Schalungspunkt läuft. Ebenso musste der Beton leicht verdichtbar sein, um porenfreie Oberflächen zu erhalten.

 

Montage

Auch die Montage der windschiefen Schallschutzwandelemente erwies sich als anspruchsvolle Aufgabe. Die unterschiedlichen Schwerpunkte der einzelnen Wandelemente mussten entsprechend der Neigung ausgerichtet werden, um montiert zu werden. Die Genauigkeit und Qualität der Elemente ermöglichte der eigenen Otto-Quast-Montagekolonne eine Errichtungszeit von sieben Wochen mit bis zu 37 verbauten Bauteilen pro Tag.

Entsprechend der Lärmschutzverordnung wurde eine Lärmschutzwand errichtet, die die wunderschöne grüne Landschaft mit ihren Hügeln und dem Fluss eines Tages in Einklang bringen wird.

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OTTO QUAST

Fertigbau Lindenberg
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