ABELS & KEMMNER / HPOSSNER CONSULTING

Interview: Taskforce SCM@baustoffe

Im Gespräch mit der BFT-Redaktion erläutern Prof. Dr. Götz-Andreas Kemmner, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Abels & Kemmner und Hans-Peter Oßner, Geschäftsführer bei hpossner consulting, warum sich die beiden Unternehmen zu einer Taskforce zur Optimierung des Supply Chain Management zusammengeschlossen haben, die sich SCM@baustoffe nennt.

BFT International: Warum braucht es eine Taskforce für das Supply-Chain-Management und welchen Nutzen kann die Betonfertigteilbranche daraus ziehen?

Hans-Peter Oßner: Die Unternehmensberatung hpossner consulting ist auf die Baustoffbranche spezialisiert. Hier haben wir bereits viele Projekte in den Bereichen Effizienzsteigerung von Produktion und Instandhaltung, Change- und Projektmanagement umgesetzt. Bei der Optimierung des Supply-Chain-Managements verstärken wir unsere Kompetenzen durch die Kooperation mit den branchenübergreifenden tätigen Experten von Abels & Kemmner. Daraus ist dann die Taskforce SCM@baustoffe entstanden.

Götz-Andreas Kemmner: Der Nutzen für die Betonfertigteilbranche liegt auf der Hand: Wir sind Experten für die Optimierung der Planung und Steuerung von Supply Chains, hpossner consulting kennt die Baustoffindustrie und den Baustoffhandel aus dem Effeff. Wir adressieren hier vor allem Unternehmen, die mit den Herausforderungen bei der Ermittlung von Planbedarfen für Fertigung und Einkauf und dem Management von Beständen und Lieferbereitschaft zu kämpfen haben – denen also am Ende durch schlechte Lieferbereitschaft nicht unerhebliche Umsätze verloren gehen.

BFT International: Welche Teilmärkte sehen Sie denn in der Betonfertigteilbranche, die von einer verbesserten Dispositionsmanagement profitieren können?

Götz-Andreas Kemmner: Grundsätzlich sind das alle Unternehmen der Branche, die ein Fertigwarenlager haben und nicht ausschließlich auftragsbezogen fertigen. Dieses Lager jederzeit so auszulegen, dass weder der Bestand zu hoch noch die Lieferbereitschaft zu gering ist, ist bei der starken Saisonalität der Baustoffbranche kein leichtes Unterfangen.

Hans-Peter Oßner: Konkret sprechen wir die Hersteller von konstruktiven Fertigteilen wie Wände, Decken und Stützen über Betonwaren wie Pflastersteine bis hin zu Rohren und Schächten an, die an den Großhandel, den Baumarkt oder auch direkt an die Baustellen liefern. Größere Baustoffhändler für das Handwerk sind ebenfalls Zielgruppe.

Götz-Andreas Kemmner: Vor allem bei Betonwaren, die auch einem gewissen modischen Trend unterliegen und die in zahlreichen Varianten angeboten werden, sind die dispositiven Aufgaben komplex. Aber auch Standardprodukte für den Baumarkt sind nicht einfach zu disponieren, da hier der Handel immer volle Regale fordert, Konventionalstrafen bei ausbleibenden Lieferungen verhängt und auch über Kampagnen die Disposition nicht einfacher macht.

BFT International: Wie würden Sie den Mehrwert ihrer Optimierungsmaßnahmen in wenigen Sätzen formulieren?

Götz-Andreas Kemmner: Wir steigern die Lieferbereitschaft und senken dennoch die Bestände, sodass Kundenzufriedenheit und Umsatz steigen – dies bei sinkender Kapitalbindung in Relation zum Umsatz. Und lassen Sie mich neben diesem einen Kernsatz noch den weiteren Nutzen daraus erklären: Unternehmen können so schneller aus eigenen Mitteln wachsen, was bei niedrigen Zinsen zwar nicht unbedingt der entscheidende Faktor ist. Aber Bestände kosten auch Geld für Versicherung, Lagerkapazität und Handling und das sind bezogen auf die Bestandswerte schnell zweistellige prozentuale Kosten.

BFT International: Was sind die konkreten Aufgaben, um dies zu erreichen?

Hans-Peter Oßner: Es müssen Dispositionsparameter überprüft und optimiert werden und die Disposition ist zu automatisieren. Bauchgefühle werden so durch klare Regelwerke ersetzt und Algorithmen und Künstliche Intelligenz (KI) simulieren dann die Bedarfe in Abhängigkeit von beispielsweise vorgegebenen hohen 95 bis 98 % Lieferbereitschaftsgrad – bezogen auf einzelne Auftragsanfragen und/oder Artikelgruppen. Dies nicht nur bei Produkten, bei denen historische Entwicklungen auf den Absatz in der Zukunft schließen lassen. Wir integrieren hier auch Absatzpläne für Produktneueinführungen und saisonale Sonderbedarfe.

BFT International: Gibt es etwas, was Sie können, was andere Experten nicht auch können?

Götz-Andreas Kemmner: Grundsätzlich kochen alle nur mit Wasser; aber das, was man kocht, kann Kantinenessen oder Sterneküche sein. Wir denken, dass Kunden uns als Garanten guter Bib-Gourmand-Küche bewerten würden. Wir liefern zwar Sterneküche, aber zu angemessenen Preisen. Unsere Küche ist auch äußerst kreativ und am Puls der Zeit. Für die Disposition von Sicherheitsbeständen setzen wir seit neustem beispielsweise auch Künstliche Intelligenz ein, um über alle Artikelklassen hinweg den bestmöglichen Bestandsmix bezogen auf genau diese Stellgröße zu ermitteln.

BFT International: Das macht Appetit auf mehr. Herr Oßner, Herr Professor Kemmner, wir danken Ihnen für das Gespräch!