Ein ganzheitlicher Ansatz für Klimaneutralität

Der Aufbruch zum Mond erscheint im Nachhinein wie ein Kinderspiel angesichts der Herausforderung, die sich der Menschheit heute stellt: eine dramatische Reduzierung der Treibhausgasemissionen, um Klimaneutralität zu erreichen. Auch die Zementindustrie steht dabei im Fokus, mit rund 6 % bis 7 % der weltweiten CO2-Emissionen muss sie ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dabei ist allen Beteiligten klar: Die Herausforderungen sind immens, denn bisherige konventionelle Minderungsstrategien haben ihre Grenzen erreicht. So geht es zwar weiterhin auch um technische Fragen, aber letztlich zunehmend um Kosten, Carbon-Leakage-Schutz und um gesellschaftliche Akzeptanz für die anstehenden entscheidenden Schritte in Richtung Decarbonisierung.

Die Zementindustrie wird diesen Kraftakt nicht alleine schultern können. Sie benötigt die Unterstützung des Anlagenbaus und der Betonhersteller genauso wie die der bauausführenden Industrie sowie von Planern und Architekten. Daneben bedarf es auch geeigneter politischer Rahmenbedingungen, die eine wettbewerbsfähige Produktion CO2-armer Zemente und Betone in Deutschland ermöglichen und gleichzeitig Märkte für diese Produkte entstehen lassen.

In Summe belaufen sich die CO2-Emissionen der Zementindustrie hierzulande aktuell auf etwa 20 Mio. t CO2. Dies entspricht rund 2 % der nationalen CO2-Emissionen. Ein Rückblick zeigt, dass es den deutschen Zementherstellern gelungen ist, seit 1990 sowohl spezifisch als auch absolut eine CO2-Minderung in einer Größenordnung von 20 % bis 25 % zu erreichen. Dies ist ein wichtiger Fortschritt. Entscheidend für die bisherigen CO2-Minderungserfolge waren neben Verbesserungen der thermischen Effizienz vor allem zwei Faktoren: die Steigerung der Klinkereffizienz im Zement sowie der verstärkte Einsatz biomassehaltiger alternativer Brennstoffe. Auf dem Weg zur Klimaneutralität werden jetzt aber sehr viel tiefgreifendere Schritte notwendig sein. In vier Bereichen werden die Partner der Wertschöpfungskette weiter aktiv arbeiten:

Portlandzementklinker: thermische Effizienz, Brennstoffmix, Abscheidung und Speicherung bzw. Nutzung von CO2 (CCS und CCU)

Zement: Klinkereffizienz (= Klinker/Zement-Faktor)

Beton: effizienter und differenzierter Einsatz klinkereffizienter Zemente im Beton

Konstruktion: effiziente und differenzierte Verwendung von Beton im Bauwerk

Auch wenn am Ende ein wenig die Tatsache hilft, dass zementgebundene Baustoffe CO2 wieder aufnehmen, bleibt aus heutiger Sicht die wesentliche Erkenntnis: Ohne CCUS (Carbon Capture Usage Storage) können die Ziele wohl nicht erreicht werden.

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