Projektbericht zur St. Johannis-Kirche in Ellrich
Der Wiederaufbau des Glockenturms der Stadtkirche St. Johannis in Ellrich war ein technisch anspruchsvolles Bauprojekt, das historische Substanz mit moderner Konstruktion verband. Die Planung basierte auf einer zeitgemäßen Interpretation der ursprünglichen Turmkubatur. Das Ingenieurbüro Smits + Tandler setzte dafür auf eine Mischbauweise aus Ortbeton und Stahlbetonfertigteilen. Zentrale Herausforderung war die Entwicklung einer Betonrezeptur, die sowohl farblich als auch strukturell an den Bestand anschloss. Dazu wurden verschiedene Betone mit regionalen Gesteinskörnungen geprüft und in Musterflächen getestet. Die endgültige Wahl fiel auf eine Waschbetonoberfläche, da sie die gewünschte Textur und Dauerhaftigkeit gewährleistete.
Die Fertigteilelemente – insbesondere die Fassadenwände – mussten hohe Anforderungen an Maßhaltigkeit und Oberflächenqualität erfüllen. Die komplexen Geometrien des Turms erforderten präzise Schalungstechnik und eine enge Abstimmung zwischen Fertigteilwerk und Baustelle. Parallel dazu übernahm der Ortbetonkern die tragenden Funktionen für Treppenhaus und Aufzug. Die Arbeiten begannen im Januar 2024 mit der Herstellung der Mikrobohrpfähle. Es folgten im Sommer 2024 die Errichtung des Ortbetonkerns und die anschließende Montage der Fertigteile. Das Vorhaben brachte hohe logistische Anforderungen mit sich, da auf eng begrenzter Fläche im öffentlichen Raum gebaut wurde. Alle Materialtransporte mussten exakt koordiniert werden, da nur eingeschränkte Lagerflächen zur Verfügung standen.
Durch die Kombination aus industrieller Vorfertigung und präziser Ortbetonausführung entstand ein Turm, der moderne Bauqualität mit regionaler Materialästhetik verband. Das Projekt zeigte exemplarisch, wie historische Bauwerke mit innovativer Beton- und Fertigteiltechnik zeitgemäß weiterentwickelt werden konnten.
