Panoramabar auf der LGS Neustadt an der Weinstraße – Praxistauglichkeit calcinierter Tone im Visier

Für die Landesgartenschau 2027 in Neustadt a. d. Weinstraße wird erstmalig in Deutschland ein Gebäude errichtet, welches als Bindemittel einen CEM II/C-M (Q-LL) mit 30 % calciniertem Ton in Kombination mit 15 % Kalksteinmehl und nur 55 % Klinker (inkl. Sulfatträger) enthält. Die Panoramabar auf dem Neustädter Aussichtspunkt ist ein eingeschossiges Gebäude in Stahlbetonbauweise mit begehbarem Dach, erschlossen über eine Rampe sowie eine Treppenanlage. Alle Betonteile sollen in Ortbeton in Sichtbetonbauweise hergestellt werden.

Der Beton für das Bauvorhaben Panoramabar erfüllt die Anforderungen C30/37 XC4 XF1 WF und wurde im Rahmen einer Zustimmung im Einzelfall bauaufsichtlich genehmigt. Wichtig war der Bauherrschaft die Verwendung regionaler Rohstoffe und ein um 35 % deutlich reduzierter GWP des Betons. Die Produktion des calcinierten Tones inklusive Mahlung konnte in Zusammenarbeit mit der Fa. Goerg & Schneider realisiert werden. Dafür wurde ein lokal verfügbarer Ton aus dem Westerwald mit einem Gehalt von
28 M.-% Kaolinit und 33 M.-% 2:1 Schichtsilikaten sowie 37 % Quarz ausgewählt und in einem Tunnelofen calciniert. In Kooperation mit der TBS GmbH und Ha-Be Betonchemie GmbH wurde in mehreren Labor- und Werksversuchen ein Beton konzipiert, der neben den geforderten Festbetoneigenschaften auch entsprechende Vorgaben an die Konsistenzhaltung (F4 Konsistenz über 60 min) erfüllt und praxistauglich ist. Dafür wurden Fließmittelkonzepte erarbeitet und Pumpversuche durchgeführt. Die Frühfestigkeit des Betons lag nach zwei Tagen bei 20 MPa und erreichte 50 MPa nach 28 Tagen.
Die Dauerhaftigkeitseigenschaften Frostwiderstandsfähigkeit (CIF), Carbonatisierung und Wasserundurchlässigkeit wurden im Labor erfolgreich nachgewiesen.

Die Auswahl der Komponenten für das Bindemittel und die wissenschaftliche Begleitung des Transfers in die Praxis erfolgte im Rahmen des von der DFG und Fraunhofer geförderten Trilateralen Forschungsprojektes (DFG-FhG) mit der Projektnummer 519196620.

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