Optimierung von Deckensystemen mit Fertigteilen – CO2-Äquivalente nach DAfStb-THG-Richtlinie im Gesamtprojektkontext

Deckensysteme prägen den ökologischen Fußabdruck von Tragwerken maßgeblich: Ihr hoher Materialanteil führt zu einem erheblichen Treibhauspotenzial (GWP). Die neue DAfStb-Richtlinie „Treibhausgasreduzierte Tragwerke aus Beton, Stahlbeton oder Spannbeton“ (THG-Richtlinie) ermöglicht erstmals eine systematische Bilanzierung und Klassifizierung nach Treibhausgas-Minderungsklassen für das gesamte Tragwerk und für Deckenbauteile.

Im Rahmen ihrer Wissensreihe Nachhaltigkeit hat die Fachvereinigung Deutscher Betonfertigteilbau (FDB) das Treibhauspotenzial verschiedener Deckensysteme an einem Mustergebäude näher untersucht:

Während konventionelle Ortbetondecken als 2-Feld-System ein GWP von rund 100 kg CO2,e/m²BGF im Gesamttragwerk aufweisen, ermöglichen beispielsweise vorgespannte TT-Platten als 1-Feld-System ohne Mittelunterzüge Werte von ca. 80 kg CO2,e/m²BGF. Durch den Entfall von Unterzügen und einer Stützenreihe sinken nicht nur die Emissionen der Deckenebene, sondern auch der angrenzenden Bauteile. So lassen sich die Gesamtemissionen des Tragwerks um etwa 20 % reduzieren – bei gleichzeitiger Erhöhung der Nutzungsflexibilität.

Eine Analyse der Bremer SE an gebauten Tragwerken aus Stahl- und Spannbetonfertigteilen ergänzt die Studie der FDB. Schon heute erreichen übliche Konstruktionen aus Betonfertigteilen in Geschossbauten, Hallen sowie komplexen Mischbauwerken durch Tragwerks- und Querschnittsoptimierungen deutliche Einsparungen im Vergleich zum Referenzwert der THG-Richtlinie. Auch hier zeigt sich, dass eine isolierte Betrachtung einzelner Decken zwar Anhaltspunkte liefert, die Betrachtung am Gesamtsystem aber eine höhere Aussagekraft hat.

Fazit: Nicht nur die Wahl des Deckenquerschnitts, sondern auch die des Deckensystems in Verbindung mit der Ausbildung und Anzahl der Stütz- und Gründungsbauteile ist ein zentraler Hebel für die THG-Optimierung. Eine frühzeitige, ganzheitliche Betrachtung im Projektkontext kann erhebliche Einsparpotenziale eröffnen – und trägt dazu bei, die ambitionierten Klimaziele im Betonbau zu erreichen.

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