Neuartige Bindemittel als Zementalternativen – Quo vadis?!
Insbesondere klinkerreduzierte Kompositzemente oder Zemente mit rezyklierten Baustoffen nach den Normen DIN EN 197-5 und -6 sowie jene mit bauaufsichtlichen Verwendbarkeitsnachweisen haben in jüngster Vergangenheit verstärkt den Weg in die Praxis gefunden. All diese zementtechnologischen Entwicklungen sollen letztlich zum Ziel führen, den CO2-intensiven Klinker weiter zu reduzieren und somit zur Minderung der Treibhausgasemissionen beizutragen. Zudem wird intensiv an klinkerfreien Bindemitteln geforscht, die den Zement gänzlich ersetzen sollen. Daher gibt es mittlerweile neben dem klassischen „hydraulischen Weg“ auch eine Vielzahl von alternativen Bindemitteln, die zwar andere Wirkungsmechanismen zeigen, aber dennoch zu Festigkeits- und Dauerhaftigkeitseigenschaften daraus hergestellter Betone führen, wie man sie von Normzementen kennt. Insofern sind auch sie grundsätzlich für die Herstellung von Konstruktionsbetonen interessant. Dazu zählen beispielsweise die sogenannten alkalisch aktivierten Bindemittel bzw. Geopolymere unter Verwendung industrieller Nebenprodukte oder natürlicher Puzzolane, hydraulische Calciumhydrosilikate, Bindemittel auf Magnesiumsilikat- bzw. -carbonat-Basis, aber auch thermisch und/oder mechanisch aufbereitete Altbetone, die – teils zusätzlich carbonatisiert – eine beachtliche Reaktivität zeigen können. Da dies prinzipiell eine Vielzahl von Kombinations- und Variationsmöglichkeiten an erzielbaren Eigenschaften ermöglicht, sind die mit diesen Bindemitteln hergestellten Betone ein Paradebeispiel für ein performancebasiertes Konzept, das die Leistungsfähigkeit des Betons unter Zuhilfenahme entsprechender Prüfverfahren und Bewertungsansätze in den Vordergrund stellt und für den spezifischen Anwendungsfall individualisiert anpassbare Lösungen bereitstellen kann. Im Rahmen des Beitrags wird der aktuelle Entwicklungs- und Regelungsstand zu einigen alternativen Bindemitteln zusammengefasst und aufgezeigt, wohin die „Bindemittel-Reise“ gehen könnte.
