Infrastruktur schneller bauen – Bessere Rahmenbedingungen für den Brückenbau in Deutschland

Für die Modernisierung der Infrastruktur und den Ersatz alter, defizitärer Brücken werden alternative Bauweisen gesucht, die besonders schnell, verkehrsverträglich und wirtschaftlich sind. Im Fokus des Bundesministeriums für Verkehr (BMV) stehen dabei innovative Ansätze, die im Rahmen von Pilotprojekten umgesetzt werden können. Vor allem die Typisierung, Standardisierung und Digitalisierung in Planung und Bau sowie der großflächige Einsatz von Fertigteil- und Modulbauweisen in der Baupraxis stehen im Vordergrund. Die Fertigteilbauweise bietet zahlreiche Vorteile. Die Herstellung der Bauteile erfolgt unter kontrollierten, klimageschützten Bedingungen in Werkshallen, was eine hohe Qualität gewährleistet. Besonders für kleinere Brücken – etwa 80 % der Brücken im Autobahnnetz haben eine Länge unter 50 Metern – eignet sich diese Bauweise im Besonderen.

Die parallele Fertigung einzelner Bauteile oder daraus gefertigte Module führt zu einer erheblichen Verkürzung der Gesamtbauzeit. Dadurch werden Verkehrsbeeinträchtigungen minimiert, da die vorgefertigten Elemente vor Ort nur noch montiert werden müssen.

Allerdings gibt es systembedingte Grenzen: Die maximalen Fertigteillängen (bis etwa 45 m) und das Transportgewicht der Fertigteile (etwa 80 bis 110 t) müssen beachtet werden, um Transport und Montage zu gewährleisten. Auch statische Anforderungen wie die exakte Ausrichtung und die Berücksichtigung von Fugen sind entscheidend, da diese als potenzielle Schwachstellen die Dauerhaftigkeit der Brücke beeinflussen können.

Die Beschleunigungseffekte der Fertigteilbauweise entstehen vor allem durch die parallele Vorfertigung und den schnellen Einbau. Dies verkürzt die Sperrzeiten auf vielbefahrenen Strecken wie Autobahnen und Bundesstraßen, reduziert Staus sowie CO₂-Emissionen und senkt volkswirtschaftliche Kosten. Insgesamt bietet die Fertigteilbauweise für die Infrastrukturmodernisierung ein großes Potenzial, Bauzeiten zu verkürzen und die Belastung für Verkehr und Umwelt zu minimieren.

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