Grundsteinlegung für Experimentalbau mit CO2-neutralem Bindemittel
„Unser Hauptziel ist es, ein CO2-neutrales Bindemittel für Betonanwendungen im Bauwesen zu etablieren“. Mit dieser klaren Zielsetzung beschreibt Dr. Frank Bellmann, Unternehmensgründer mit wissenschaftlichen Wurzeln an der Bauhaus-Universität Weimar, den Anspruch der Oliment GmbH. Das junge Unternehmen aus Rötha bei Leipzig will mit seinem patentierten Produkt und Herstellungsprozess einen wesentlichen Beitrag zur Klimaneutralität leisten, denn aktuell ist der mit Zement hergestellte Beton einer WWF-Studie zufolge für bis zu 8 % der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich.
Den ersten Meilenstein hat die 2012 gegründete Oliment GmbH bereits mit der Produktion des gleichnamigen Bindemittels im eigens errichteten Technikum erreicht. Nur wenige Jahre nach der Gründung ist dem Unternehmen ein entscheidender Technologiesprung gelungen: Die Produktion des neuartigen Bindemittels wurde erfolgreich vom Labor in den Tonnenmaßstab überführt. Damit sind die Voraussetzungen für industrielle Pilotprojekte und zukünftige Skalierung geschaffen.
Magnesiumsilikat als CO2-freier Rohstoff
Hauptbestandteil der neuen Rezeptur ist Magnesiumsilikat – ein weltweit verfügbares natürliches Mineral. Seine chemische Zusammensetzung ermöglicht die Herstellung eines Bindemittels, das mit Wasser erhärtet und CO2 bindet. Anders als bei herkömmlichem Zement wird bei der Herstellung von Oliment kein CO2 freigesetzt. Die Brenntemperaturen liegen deutlich niedriger, sodass der ebenfalls erhebliche Energiebedarf vollständig elektrisch gedeckt werden kann.
Praxistest unter Realbedingungen
Mit dem entstehenden Experimentalbau beginnt für Oliment die nächste Entwicklungsphase: In einem vollständigen Bauwerk wird das neue Bindemittel unter realen Bedingungen getestet. Ziel ist es, die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung durch das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) für einen breiten Einsatz im Bauwesen zu erhalten. Dazu ist es erforderlich, Tragverhalten, Dauerhaftigkeit und Witterungsbeständigkeit über Jahre hinweg unter Realbedingungen und im Originalmaßstab zu untersuchen und zu dokumentieren. Gleichzeitig soll der Experimentalbau als Demonstrator für Investoren, Industriepartner und öffentliche Auftraggeber dienen.
Signalwirkung für Branche und Region
Zur Grundsteinlegung des ersten Experimentalbaus seiner Art begrüßte Oliment am 5. Juni 2026 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Unter ihnen waren Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, Henry Graichen (Landrat des Landkreises Leipzig) sowie Röthas Bürgermeister Pascal Németh.
Ministerpräsident Kretschmer betonte: „Mit der heutigen Grundsteinlegung des Modellbaus setzt Oliment in Rötha ein sichtbares Zeichen für Innovationen im Bausektor und modernen Strukturwandel. Sachsen hat das Potenzial, sich mit innovativen Technologien und nachhaltigen Produkten künftig noch stärker auf internationalen Märkten zu etablieren. Ich danke der Bundesagentur für Sprunginnovationen und allen Partnern für ihre Unterstützung und wünsche dem Team von Oliment viel Erfolg.“
Auch Landrat Henry Graichen sieht in dem Vorhaben eine gute Chance für die Nachhaltigkeit im Bereich des Bausektors und für die Wertschöpfung der Region: „Ich freue mich sehr über den Baustart für den Modellbau. Dieses Vorhaben ist nicht nur für die Oliment GmbH von großer Bedeutung. Mit dem gewählten Standort zeigt sich erneut, dass der Landkreis Leipzig für Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen attraktiv ist. Wir unterstützen innovative Projekte und neue Ansätze und freuen uns, wenn hier zukunftsweisende Ideen umgesetzt werden. Ich wünsche dem Forschungsteam künftig viel Erfolg.“
Karl Brüggen, Geschäftsführer der Oliment GmbH, ordnet in seiner kurzen Ansprache die Bedeutung des neuen Bindemittels für die Branche ein: „Mit unserem Produkt positionieren wir uns in einem Marktsegment, das massiv an Bedeutung gewinnt. Dabei verfolgen wir die klare Vision, das Bindemittel für Beton neu zu denken. Als Baustoff einer neuen Generation steht Oliment für klimaneutrales und nachhaltiges Bauen.“
