Endlich auch chloridhaltige RC-Körnung in Recyclingbeton einsetzen – doch wo sind die Anwendungsgrenzen?
Um Abbruchabfälle zu reduzieren und den Abbau von Sand und Kies einzuschränken, gewinnt die Verwendung rezyklierter Baustoffe in Beton an Bedeutung. Dabei sind insbesondere Bauwerke aus der Verkehrsinfrastruktur von besonderem Interesse, da hier hochwertiges RC-Material (meist geringe Streuung, hohe Festigkeiten, geringe Porosität) anfallen würde. Allerdings weisen RC-Materialien, die aus Brücken, Betonfahrbahnen oder Parkhäusern gewonnen werden, häufig Chloride aus der vorherigen Nutzung auf. Damit entsteht für neu zu erstellende Bauwerke aus chloridhaltigem RC-Material ein mögliches Korrosionsrisiko, weshalb bis dato der Chloridgehalt von RC-Material begrenzt ist.
Im Rahmen eines internationalen Forschungsvorhabens wurden umfangreiche Untersuchungen zu Abbruchmaterialien aus Tiefgaragen und Brücken durchgeführt. Dabei wurden Recyclingbetone (RC) aus 100 % chloridhaltigem Rezyklat (RCA) für verschiedene Expositionsklassen hergestellt und auf ihre Frisch- und Festbetoneigenschaften sowie auf das Chloridbindeverhalten und auf ihre Dauerhaftigkeit hinsichtlich chloridinduzierter Bewehrungskorrosion untersucht. Das Chloridbindeverhalten wurde durch Eluatanalysen und Auslaugungstests bestimmt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Chloridmobilität von der Herkunft des RCA abhängt, wobei künstlich hergestelltes chloridhaltiges RCA mehr ungebundene Chloride enthält.
Das Korrosionsverhalten wurde mit einer Drei-Elektroden-Anordnung bei Chloridgehalten des RCA von 1,5, 2,0 und 3,0 M.-%/z. bewertet. Die maßgeblichen Korrosionsparameter wurden mittels ZRA-Elementkorrosionsstrom-Messungen bei unterschiedlichen Umgebungsfeuchten bestimmt. Die Ergebnisse zeigen, dass chloridhaltiges RCA auch bei hohen Feuchtegehalten in RC verwendet werden kann, wenn die Chloridwerte unter einem kritischen Niveau bleiben. Anhand der Untersuchungsergebnisse kann für CEM I-RC-Betone ein kritischer Chloridgehalt von 3,0 M.-%/z. und für CEM III-Betone von 2,0 M.-%/z. (bezogen auf RCA) angesetzt werden.
