REA JET

Typenmerkmale auf Betonschwellen trotzen Wind und Wetter

Vor dem Betonschwellenwerk der Leonard Moll Betonwerke GmbH & Co KG in Biebesheim bewegen zwei Kräne mit 42 m Spannweite und 20 t Traglast Bahnschwellen-Pakete; im Innenbereich mischen Anlagen mit bis zu 1.000 l Fassungsvermögen das Material für die Schwellen, die mit speziellen Formen gegossen und in gigantischen Härtekammern unter definierten Klima-Bedingungen ausgehärtet werden. In dieser rauen Umgebung bringen Systeme des südhessischen Kennzeichnungsspezialisten Rea Elektronik GmbH automatisiert die alphanumerischen Typenmerkmale auf die Schwellen auf – individuell, flexibel, zuverlässig und vor allem witterungsstabil.

An einem Umsetzungswagen bewegen sich zehn frisch produzierte Bahnschwellen dicht an dicht zu den Kettenförderern der Endkontrolle. An einer Brücke darüber warten fünf Schreibköpfe des Rea Jet DOD 2.0 Großschrift Tintenstrahldruck Systems. Licht-Taster erfassen die Vorderkante jeder heranfahrenden Schwelle und geben das Druckstart-Signal an die Schreibköpfe, die an bis zu drei Stellen die Betonschwelle kennzeichnen. Die Daten für den Seriendruck bekommt jeder Schreibkopf direkt aus der Moll Werksdatenbank: Dafür ist das Rea Jet Steuergerät über Ethernet mit dem Steuerungssystem der Endlinie verbunden. „Diese vollautomatische Kennzeichnung ist ein unbeaufsichtigter, digitaler Prozess und stellt die korrekte Kennzeichnung in Produktions-Echtzeit sicher; manuelle Fehler werden ausgeschlossen“, sagt Ralf Giesecke, im Werk verantwortlich für Steuerungstechnik und Automation.

Im Werk Biebesheim laufen täglich bis zu 1.400 Bahnschwellen vom Band. Das sind Standard- und Sonderschwellen, die an Eisenbahn- und Infrastruktur-Unternehmen in ganz Europa gehen – aufgrund von Rahmenverträgen mit großen Unternehmen und Konzernen, aber auch für Einzelbestellungen kleiner, privater Kunden, die insbesondere das Sonderprogramm schätzen.

Seit 2019 kennzeichnen fünf Rea Jet DOD 2.0 Systeme jede einzelne Schwelle. „Für ein größeres Sonderlos der Deutschen Bahn Netz AG, mit dessen Herstellung wir in Biebesheim betraut wurden, waren über das übliche Maß hinaus Schwellen-Kennzeichnungen vereinbart worden. Sie sollten die Typmerkmale auch aus einiger Entfernung, wie etwa für einen Kranfahrer, erkennbar machen“, erläutert Ralf Giesecke den Ursprung der Zusammenarbeit. Die Schrift muss groß und auch nach längerer Lagerung im Freien noch lesbar sein. „In unseren Werken gab es in den vergangenen Jahren hin und wieder vergleichbare Anforderungen“, blickt Ralf Giesecke auf die Zeit vor der Zusammenarbeit mit Rea Elektronik zurück. „Die Resistenz des Aufdrucks gegenüber der Witterung, insbesondere der UV-Strahlung, war eine Anforderung, die erst mit Rea zufriedenstellend gelöst werden konnte.“

Maschinelle Kennzeichnung ersetzt Handarbeit

So trugen anfangs in Biebesheim Produktionsmitarbeiter die Daten von Hand auf, mithilfe von Stempeln oder mit Sprühfarbe und Schablonen. Doch schnell war klar, dass dies keine Dauerlösung sein konnte – allein schon aus Gründen des Gesundheitsschutzes. Die Systeme von Rea Jet lösen nun mehrere Anforderungen zugleich. Sie arbeiten mit gut haftender, schnell trocknender und witterungsstabiler Spezialtinte. Die Drop-on-Demand-Technologie (DOD) von Rea gibt die Tintentropfen erst dann über die Düsen der Schreibköpfe ab, wenn sie für das Druckbild benötigt werden. Das macht die Technologie verbrauchsarm und sorgt auch dafür, dass die maximale Arbeitsplatzkonzentration (MAK) von Lösemittel auf ein Minimum reduziert wird. Und all das dauerhaft und verlässlich, selbst in der rauen und staubigen Umgebung der Beton-Produktion.

„Die schnell trocknende Rea Tinte und der Zementstaub im Werk sind sehr anspruchsvolle Bedingungen“, sagt Sven Kopriwa, Vertriebsmitarbeiter bei Rea Elektronik. „Aber die Schreibköpfe unserer DOD 2.0 Großschrift Tintenstrahldrucker sind sehr robust. Zudem kann mit unserer Kombination aus Tintenzufuhr und Reinigung das komplette System einfach gespült werden, was zusätzlich die Betriebsbereitschaft der Schreibköpfe erhöht.“ Die Rea Jet Großschrift Technologie der Generation 2.0 zählt weltweit zu den besten Drucksystemen für raue, staubige oder feuchte Produktionsumgebungen. DOD Systeme eignen sich hervorragend für die Beschriftung von Baustoffen, Steinen, Sackwaren, Schrumpfhauben, Dämmstoffen, Stahlprofilen und vielen weiteren Materialien. Diese hauseigene Technologie von Rea Jet wurde über die Jahre hinweg weiterentwickelt und optimiert. 

Anbindung an Datenbank des Unternehmens

Für jedes Schwellenpaket, das die Endkontrolle erreicht, bekommen die Rea Jet Steuergeräte ihre Kennzeichnungsdaten aus der Produktionsdatenbank übermittelt, nehmen sie in ihren Puffer auf und geben sie an jeden der fünf Schreibköpfe gleichzeitig weiter, die sie auf jedes Einzelstück der Gruppe drucken und dann für das nächste Datenpaket bereit sind. „Weil die für jeden Schwellentyp unterschiedlichen Kennzeichnungen aus dem übergeordneten Steuerungssystem und dessen Datenbank kommen, werden menschliche Fehlerquellen ausgeschlossen“, nennt Ralf Giesecke einen weiteren entscheidenden Vorteil der Rea Jet Systeme. Die bei Moll eingesetzten Schreibköpfe können Informationen an bis zu vier Stellen als einzeiligen Text aufbringen. Zudem sind sie so auf die vorbeifahrenden Schwellen ausgerichtet, dass sie trotz unterschiedlicher Abmessungen der verschiedenen Schwellentypen exakt arbeiten. Ein eigens entwickelter, integrierter Kollisionsschutz bewahrt die Schreibköpfe vor Beschädigung, falls Schwellen einmal nicht korrekt ausgerichtet sind.

„Ganz gleich, für welche Branche, unser vielfältiges Programm an Standardkomponenten gibt uns die Flexibilität, für jeden Kunden eine individuelle Drucklösung zu konfigurieren, die seinen Anforderungen und seinen räumlichen Gegebenheiten entspricht“, sagt Rea Mitarbeiter Kopriwa. Auch in der Betonbauteilbranche arbeite fast jedes Unternehmen – selbst Schwellenhersteller – mit einer unterschiedlichen Technologie, unter anderen Umgebungsbedingungen und mit individuellen Anforderungen an die Kennzeichnung. „Ob für bestehende Produktionslinien oder einen Neubau, mit mehrzeiliger Schrift oder Logo Aufdruck, in sauberer oder eher staubiger Umgebung: Wir finden die passende, maßgeschneiderte Rea Lösung.“

Und über die nächste haben die beiden Partner für Biebesheim schon nachgedacht: Die Kennzeichnung einer jeden Schwelle mit einem Data Matrix Code soll mit der Maschinenlesbarkeit jeder Einzelschwellen-ID die Digitalisierung der Produktion voranbringen und die Prozesssicherheit weiter steigern. Zudem ist der Einsatz dieser Systeme auch in anderen Moll-Betonwerken denkbar.

CONTACT

 

Rea Elektronik GmbH

Teichwiesenstr. 1

64367 Mühltal/Germany

+49 6154 638-0

www.rea-jet.de

Die Leonard Moll Betonwerke sind die zweitgrößten Schwellenhersteller Europas. Das 1937 patentierte Verfahren zur Herstellung vorgespannter Betonschwellen machte Firmengründer Leonard Moll zum Pionier dieser Technik. Heute produzieren mehr als 1.200 Mitarbeiter des Familienunternehmens an je drei Standorten in Deutschland und im europäischen Ausland jährlich mehr als zwei Millionen Spannbeton-Schwellen.

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 2019-11 TEICHMANN KRANE

Zwei Portalkrane für Leonhard Moll Betonschwellenwerk

Für die Leonhard Moll Betonwerke GmbH & Co KG in Biebesheim hat Teichmann Krane in nur 4,5 Monaten einen 2 x 10 t Rohrportalkran mit einer Spannweite von 42 m geliefert, der für den Transport von...

mehr
Ausgabe 2014-06

Verfahren zur Herstellung einer Betonschwelle

(10) DE 10 2007 008 704 84 2014.04.17 (22) 20.02.2007 (43) 21.08.2008 (45) 17.04.2014 (73) RAIL.ONE GmbH, 92318, Neumarkt, DE (57) Verfahren zur Herstellung einer Betonschwelle, umfassend die...

mehr
Ausgabe 2019-04

Neuartige Anlagentechnik für die Bahn- schwellenaushärtung

Die Leonhard Moll Betonwerke GmbH & Co KG haben eine lange Tradition, denn bereits 1929 errichtete der Münchner Bauunternehmer Leonhard Moll ein Betonwerk. Mit dem Patent von Leonhard Moll zur...

mehr
Ausgabe 2018-11 Eirich

Bahnschwellenwerk mit neuer Mischtechnik ausgerüstet

Die Leonhard Moll Betonwerke GmbH & Co KG, München, sind ein führender Hersteller von vorgespannten Gleis- und Weichenschwellen für das Schienennetz der Deutschen Bahn, mit einer...

mehr
Ausgabe 2018-01 Weckenmann Anlagentechnik

Moderne Anlagentechnik für Spannbeton-Bahnschwellenproduktion

Seit ihrer Einführung im Jahr 1970 ist die B70-Schwelle die meistverwendete Spannbetonschwelle im Schienennetz der Deutschen Bahn. Sie ist flexibel einsetzbar, belastbar mit 25 t und erlaubt...

mehr