EINSTEIN FUGENTECHNIK

Sickerfugenpflaster für Parkplatz der Messe Stuttgart

Mit einer Ausstellungsfläche von 105.200 m2 ist die Messe Stuttgart vor der Hamburger Messe die zehntgrößte deutsche Messe. Allein im Jahr 2016 besuchten 1,35 Mio. Menschen das Messegelände der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Nie zuvor kamen mehr Aussteller, nämlich 21.718, nach Stuttgart und niemals war die Nutzungsintensität des Messegeländes so hoch wie im Jahr 2016. Gut vorstellbar also, dass auch die Freiflächen, die für die Präsentation von Außenexponaten und als Parkplätze genutzt werden, einer starken Frequentierung unterliegen. Bei der Neubefestigung einiger ursprünglich geschotterter Flächen kam ein Pflasterbelag mit besonderen Eigenschaften zum Einsatz, der auch für die Zukunft die Voraussetzungen schafft, dass derartig stark genutzte Flächen dauerhaft stabil und ansehnlich bleiben.

Als im Oktober 2007 das Hightech-Messezentrum auf den Fildern – zwischen A8 und dem Stuttgarter Flughafen – in Betrieb ging, wurden ganz bewusst nicht alle Flächen rund um das riesige Messegelände asphaltiert oder mit Betonpflaster befestigt, sondern in wassergebundener Bauweise angelegt. Nach zehn Jahren intensiver Nutzung mussten die Verantwortlichen bei der Messe jedoch feststellen, dass die Befestigung mit Schotterrasen den Anforderungen aus dem Messe- und Parkplatzbetrieb nicht mehr standhält.

„Als die Messe vor zehn Jahren gebaut wurde, ging man nicht davon aus, dass alle Außenflächen derart intensiv genutzt werden“, erinnert sich Walter Braun von den Spiekermann GmbH Consulting Engineers, der am Bau der Messe planerisch beteiligt war. „Aus ökologischen Gründen hat man deshalb einige Außenflächen mit einer 20 cm starken Schotterrasenschicht befestigt. Heute stellt sich die Situation jedoch so dar, dass die Flächen deutlich mehr befahren werden als ursprünglich vermutet. Aufgrund der Fahrbewegungen, die Schwerlastfahrzeuge beim Auf- und Abbau der Messeexponate verursachen, entstehen auf der Oberfläche Vertiefungen und Fahrspuren. Die Folge – vor allem bei nasser Witterung – ist ein unebener Belag mit Pfützenbildung. Der Rasen hat kaum eine Chance, durchzuwachsen. Damit sind die Ausstellungsflächen nicht sonderlich attraktiv und haben zudem ein Gefahrenpotential für Messebesucher“.

 

Ökologische Anforderungen

Um das Problem in den Griff zu bekommen, wurden die geschädigten Flächen in den letzten Jahren immer wieder neu mit Schotter abgezogen. Weil dies jedoch auf Dauer viel Geld kostet und sowohl Arbeitskräfte als auch Technik bindet, sah die Projektgesellschaft Neue Messe GmbH & Co. KG vor, weite Teile des bisher mit Schotterrasen befestigten Parkplatzes Nr. 32 mit einem wasserdurchlässigen Pflasterbelag zu befestigen.

„Zum einen suchten wir für die etwa 5.000 m2 große Fläche einen Pflasterbelag, der auch dauerhaft den auftretenden Verkehrsbelastungen standhält“, sagt Braun. „Andererseits gab es auch gewisse ökologische Anforderungen an die Fläche. So sollten die anfallenden Niederschläge über die Fläche dem Grundwasser zugeführt werden, statt diese in den Kanal zu leiten.“

Diese Anforderungen bewogen die Planer dazu, auf das 10 cm dicke Einstein-Sickerfugenpflaster im Farbton Grau aus dem Betonwerk Diephaus zu setzen. Dieses Pflastersystem im Format 20 × 20 cm besitzt überragende technische Eigenschaften. Dank der D-Punkt-Fugentechnik des Einstein-Pflasters kommt es im Falle einer Knirschverlegung der Steine – wenn überhaupt – nur zu einer punktuellen, minimalen Berührung an den Steinunterkanten. Deshalb bleibt der Anteil der Fläche, an der sich die Steine berühren, sehr gering. Die oft übliche Knirschverlegung wird so vermieden, die zur Aufnahme von Verkehrsbelastungen notwendige Fuge beziehungsweise der Fugenraum werden eingehalten. Eine optimale Kraftübertragung zwischen den Steinen ist somit gegeben. Aus diesem Grund ist das System in der Lage, Schub- und Horizontalkräfte abzupuffern und gleichmäßig in die Tragschichten zu leiten. „Dies gewährleistet uns, dass die Fläche auch dauerhaft ohne Schaden bleibt“, führt Braun aus.

 

Versickern über 12 mm Fugen

Das Pflastersystem erfüllt aber auch die ökologischen Anforderungen an die Parkplatzbefestigung: Dank der 12 mm breiten Fugen ergibt sich ein Versickerungsanteil von mehr als 10 % der befestigten Fläche. „Damit ist gewährleistet, dass das gesamte anfallende Regenwasser direkt durch die breiten Pflasterfugen in den Drainschotter gelangt. Das Oberflächenwasser wird dadurch an Ort und Stelle der Versickerung zugeführt. In der Mittelachse der jeweiligen Fläche wurde eine Sicherheitsdrainage vorgesehen, die an den Regenwasserkanal angeschlossen ist. Bei Starkregen, wenn der Untergrund wassergesättigt ist, kann Wasser durch den Drainschotter über die Sicherheitsdrainage abgeführt werden. Das Regenwasser erfährt vor der Einleitung in den Regenwasserkanal eine Retention“, so Braun.

Damit der Abfluss der Niederschläge auch funktioniert, haben die Planer einen bestimmten Aufbau der Fläche gewählt. „Das Pflasterbett besteht aus einer 3 cm starken Splittschicht in der Körnung 8/16 mm. Darunter befindet sich über einer Frostschutz- und Schottertragschicht eine 15 bis 50 cm starke Ausgleichs- und Planumsmodellierung mit einer Drainschottertragschicht in der Körnung 0/45 mm. Der weitgehende Verzicht auf Nullanteile garantiert uns hier eine dauerhafte Wasserdurchlässigkeit“, so Braun.

Neben den funktionalen Anforderungen erfüllt die neue Befestigung auch optische Ansprüche: „Dadurch, dass die Fahrzeuge nun nicht mehr im Matsch stehen, wirken die neu befestigten Flächen auch wieder optisch ansehnlich und entsprechen dem Anspruch einer modernen und attraktiven Messe.“

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