In-situ-Betondruckfestigkeit bei Bestandstragwerken

Neue Verfahren nach E DIN EN 13791:2018

Bestandstragwerke müssen infolge von Umbaumaßnahmen und Änderungen im Belastungsniveau nach den aktuell gültigen Regelwerken nachgerechnet werden. Für Stahlbetontragwerke stellt dabei in aller Regel die Betondruckfestigkeit den maßgebenden Kennwert dar. Von alten Bauwerken fehlen jedoch häufig die bautechnischen Unterlagen aus der Ausführungszeit, sodass eine umfassende Bauwerksuntersuchung für die Ermittlung der charakteristischen In-situ-Betondruckfestigkeit notwendig wird. Die Bewertung der Druckfestigkeit von Beton in Bauwerken oder in Bauwerksteilen ist aktuell in DIN EN 13791/A20:2017 geregelt. In Abhängigkeit von der Bohrkernanzahl und dem Variationskoeffizienten kann die charakteristische In-situ-Druckfestigkeit nach dem modifizierten Ansatz A oder dem modifizierten Ansatz B ermittelt werden. Auf europäischer Ebene wurde mit E DIN EN 13791:2018 die Norm zur Bewertung der In-situ-Druckfestigkeit von 2008 novelliert. Hierin werden neue Verfahren zur Ermittlung der charakteristischen In-situ-Betondruckfestigkeit vorgestellt, die sich grundlegend von den bisherigen Verfahren nach DIN EN 13791:2008 und DIN EN 13791/A20:2017 unterscheiden und bei denen die Überprüfung der statistischen Belastbarkeit noch aussteht.

Auf Grundlage dieser Überprüfung ist zu entscheiden, ob in Deutschland die charakteristische In-situ-Druckfestigkeit weiterhin nach DIN EN 13791/A20:2017 oder nach den neuen Verfahren von E DIN EN 13791:2018 bestimmt werden soll. Besonders für kleine Stichprobenumfänge (n = 3 bis n = 7) kommt es durch die Bestimmung der charakteristischen In-situ-Druckfestigkeit nach Abschnitt 8.1(7) und Abschnitt 8.3 zu einer deutlichen Überschreitung der charakteristischen In-situ-Druckfestigkeit nach DIN EN 13791/A20:2017 und somit zu einer Erhöhung der für die Nachrechnung anzusetzenden Druckfestigkeit, die nicht zu vernachlässigen ist.

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