Auf die Geschwindigkeit kommt es an – Ökologische und volkswirtschaftliche Aspekte moderner Instandsetzungen
Deutschland steckt in einer strukturellen Brückenkrise. Eine Auswertung der bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) veröffentlichten Bauwerksdaten zeigt, dass rund 40 % der Autobahnbrücken in den 1960er- und 1970er-Jahren errichtet wurden – überwiegend als vorgespannt bewehrte Spannbetonbauwerke mit Längen über 100 m. Diese Bauwerke erreichen nun nach 50–65 Jahren Nutzungsdauer eine Phase exponentiell beschleunigter Zustandsverschlechterung.
Parallel besteht ein gravierendes Redundanzdefizit: Etwa 31 % aller Brücken sind Einzelbauwerke ohne paralleles Teilbauwerk. Ihr Ausfall führt zwangsläufig zu Vollsperrungen und verursacht überproportional hohe volkswirtschaftliche Folgekosten. Nicht einzelne Schadensfälle, sondern die gleichzeitige Alterung einer gesamten Bauwerksgeneration gefährdet die Funktionssicherheit der Verkehrsinfrastruktur.
Die entscheidende Einflussgröße ist die Zeit. Nicht die Bauweise oder die unmittelbaren Investitionskosten, sondern die Dauer von Sperrungen und Umfahrungen bestimmt die ökologische und ökonomische Gesamtbilanz. Verkehrsbedingte Umwege und Staus erzeugen erhebliche CO2-Emissionen und Verluste in Milliardenhöhe.
Ein notwendiger Paradigmenwechsel führt daher weg von einer isolierten Kostenbetrachtung hin zu einer integralen Lebenszyklusbewertung, die Bauzeit, Ressourceneffizienz und Verfügbarkeit gleichermaßen einbezieht.
Hier bieten Materialien mit nichtmetallischen Bewehrungen wie beispielsweise Carbonbeton als moderner, textilbewehrter Hochleistungsverbundwerkstoff ein herausragendes Potenzial. Durch korrosionsresistente Carbonstrukturen lassen sich Bauwerke schnell, dauerhaft und materialeffizient ertüchtigen. Instandsetzungen mit nichtmetallischen Bewehrungen ermöglichen eine signifikante Verkürzung der Bauzeiten und verlängern gleichzeitig die Nutzungsdauer – ein entscheidender Beitrag zur ökologischen und volkswirtschaftlichen Nachhaltigkeit unserer Infrastruktur. Alternativ muss auch über effektive „lebensverlängernde“ Maßnahmen bis zur möglichen Instandsetzung bzw. bis zum Neubau nachgedacht werden.
